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Hörbuch statt Reclamheft?

05.06.2014

Schullektüre
30 Köpfe von 30 Kindern über 30 Büchern - worum geht es hier wohl? Um die gute, alte Schulliteratur. Jeder musste sich in seiner Schulzeit durch die alten Klassiker durchbeißen. Wie schön wäre es gewesen, sich diese einfach anzuhören?  Oder habt ihr genau das vielleicht sogar getan?

Die Verwandlung„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Ich erinnere mich noch gut an meine Lieblingsschullektüre: Kafka, Die Verwandlung, elfte Klasse. Mein gelbes Reclamheft fand sich zum Ende dieser Unterrichtseinheit in einen zerfledderten Haufen Papier verwandelt. Die farbig unterstrichenen Sätzen, die klitzekleinen Notizen am viel zu kleinen Rand und überhaupt das ganze Exemplar dieses Buches machten das Lesen unmöglich.

Hätte es damals schon eine Hörbuch-Ausgabe der Verwandlung gegeben, ich hätte sie mir zur Klausurvorbereitung sicher angehört. Gemütlich hätte ich im Bett gelegen, mit Kafka im Ohr. Mittlerweile sind viele Klassiker als Hörbuch erschienen und werden im Schulunterricht ergänzend zum Text verwendet oder Zuhause nachgehört.

Die Faust aufs Ohr

Das Besondere am Hörbuch ist natürlich auch im Schulunterricht die Erzählerstimme. Wenn die von so bekannten Künstlern wie von Thomas D. (Die Fantastischen Vier) und Bela B. (die Ärzte) kommt, wird Goethe plötzlich zeitgenössisch. Hier gibt es die Faust aufs Ohr:

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Es sind jedoch nicht nur Klassiker, die in Schulen gelesen werden. In Hamburg ist Finn-Ole Heinrichs Debütroman Räuberhände aus dem Jahr 2007 Pflichtlektüre für das Abitur und eben auch Geschichten wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green werden im Unterricht gelesen und besprochen. Beide Texte sind als Hörbuch erschienen.

Ich erinnere mich daran, im Deutschunterricht Literaturverfilmungen gesehen und besprochen zu haben, aber wie ist das mit Hörbüchern?

Hörbuch-Auswahl für Schullektüre in der Grundschule

Hörbuch-Auswahl für Schullektüre in der Oberstufe

Eine Ergänzung für leseschwache Schüler

Patrizia unterrichtet Deutsch an einer Berliner Grundschule und hat schon öfter Hörbücher in den Unterricht integriert. „Es kommt darauf an, welches Ziel ich mit der Unterrichtseinheit verfolge und ob es um das Lese- oder Hörverständnis geht. Für leseschwache Schüler ist das Hörbuch aber auch dann hilfreich, wenn eigentlich das Lesen im Mittelpunkt steht. Manchmal verändert sich das Verständnis für einen Text, wenn ein anderer Lerneingangskanal bedient wird.

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Das Hörbuch im Deutschunterricht kommt so den leseschwachen und leseunlustigen Schülern zu gute. „Das heißt, wir lesen die Hälfte des Kapitels und der Rest darf gehört werden.“ Ein Hörbuch dient laut Patrizia ebenso dazu, verschiedene Lesetechniken zu erproben und zu erkennen. „Die Technik des Streichens von Nebeninformationen und die Kürzung eines Textes lässt sich sehr gut nachvollziehen und erfahrbar machen“, erklärt sie. „Außerdem wird der auditive Lerneingangskanal geschult.

Können Hörbücher Schulbücher ablösen?

Natürlich dürfen Lesekompetenz und Leseverstehen dabei nicht vergessen werden. „Die Ablenkung beim Hören ist höher als beim selbstständigen aktiven Lesen“, so Patrizia. Ein Zurückblättern, Unterstreichen und Notizen am Text machen ist beim Hörbuch ebenfalls schwierig. „Die Bequemlichkeit der Schüler muss im Auge behalten werden“, betont die Grundschullehrerin.

In der Schule ist das Hörbuch kein Ersatz für den schriftlichen Text, sondern eine Erweiterung.  Also warum nicht mal gucken, ob es die Schullektüre auch als Hörbuch gibt? Spätestens wenn das Reclamheft auseinanderfällt, ist diese Version eine gute Ergänzung im Unterricht.

Welche Bücher habt ihr in der Schule gelesen? Hättet ihr sie gerne gehört?

Hörbuch-Auswahl für Schullektüre in der Grundschule

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