Sebastian Fitzeks Vorwort zu "Auris"

Sebastian Fitzek im Studio
02.05.19

Mit "Auris" kommt ein Hörbuchthriller heraus, der diesmal nicht von Sebastian Fitzek selbst verfasst wurde. Warum das so ist und wie es dazu kam, hat Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor in einem Vorwort erklärt.

"Der Tag, an dem er zweimal starb, hatte gerade erst begonnen."

Nun, dieser Satz hat zwar überhaupt nichts mit dem zu tun, was jetzt gleich folgt, aber ich wollte nicht, dass Sie dieses Hörspiel sofort entnervt ausschalten, nur weil es mit so etwas langweiligem wie „Vorwort“ oder „Wie dieser Thriller entstand“ beginnt. Dann hätten wir ja gleich „Schlaftablette“ und nicht Auris aufs Cover schreiben können. Was übrigens das lateinische Wort für Ohr ist. (Auch kein fesselnder Thriller-Einstieg, ich weiß, ich weiß.) Aber es ist mir ein dringendes Bedürfnis, darauf hinzuweisen, wie es dazu kam, dass Sie Auris jetzt auf den Ohren haben.

Alles begann mit einer Funkstörung. Ich versuchte, während einer Autofahrt auf der A24 zu telefonieren (keine Sorge, natürlich über Freisprecheinrichtung), und ich weiß nicht, weshalb wir es schaffen, millimetergenau an die ISS anzudocken, Funkmasten aber nicht aufstellen können, ohne dass kilometerweite Sendelöcher zwischen ihnen entstehen; aber wie so oft hörte ich meinen Gesprächspartner entweder gar nicht oder wie durch ein verzerrtes Megaphon. Und ich dachte mir: „Autobahngespräche sind nur etwas für Stimmen-Profiler. Menschen, die am Husten eines Verdächtigen sein Geschlecht, Alter, Herkunft, Bildung und die Schuhgröße erhören können.“

Und dann fragte ich mich, ob es solche Profis wirklich gibt. Und tatsächlich – die forensische Phonetik ist eine anerkannte kriminalistische Disziplin, die allerdings nicht von sehr vielen Experten beherrscht wird. Diese Erkenntnis brachte mich auf eine Idee. Nicht zu einem Buch, wie ich gestehen muss, sondern zu einem Hörspiel. (Wenn Ihnen das zu unhip ist, können Sie auch Audioplay dazu sagen.) Denn wie könnte man einen akustischen Profiler besser erlebbar machen, als mit Hilfe des akustischen Kopfkinos, das ein Hörspiel erzeugt? Stimmen, Geräusche, Dialekte, Betonungen, Atmosphäre.

Da ich wusste, dass ich kein Hörspielautor bin, rief ich jemanden an, der sich damit auskennt. Michael Treutler, ein großes Tier bei dem Hörbuchverlag Audible (Sorry Micha, ich vergess deinen Posten immer, aber diese Abkürzungen sehen echt toll aus auf deiner Visitenkarte.) Es war gegen 5.00 Uhr morgens, ich war wie immer beim Joggen (bisher finden sich zwei Lügen in dem Satz), aber er war sofort begeistert. (Keine Lüge, glaube ich. Oder er ist ein sehr guter Schauspieler gewesen, als er sagte: „Das klingt super!“)

Michael habe ich übrigens sehr viel zu verdanken. Er war der erste, der meinem Debüt „Die Therapie“ eine Chance auf dem Hörbuchmarkt gab, als noch keiner daran glaubte. Und er hat Simon Jäger als Sprecher ausgewählt; also hey, wer wenn nicht er hat eine Anstecknadel als CEO-CFFO des Monats verdient? (Oder was immer du da bist.)

Ich arbeitete ein etwa 40.000 seitiges Papier aus, wie ich mir die Geschichte von Auris vorstellte (können auch nur 40 Seiten gewesen sein, bin mir da jetzt nicht mehr so sicher), und Treutler machte sich an die Arbeit, ein Hörspiel-Team zusammen zu stellen. An dieser Stelle muss Steffen Wilhelm ganz besonders erwähnt werden, dessen dramaturgisch genialer Geist den spannenden Kern dieser Geschichte erst so richtig freigelegt hat.

Parallel zur Hörspielentwicklung konnte ich Quatschtante natürlich mal wieder meinen Mund nicht halten und habe allen, die davon nicht hören wollten, von der Story um Hegel und Jula (ja, ohne i, ist Absicht) erzählt. Einer, der nicht schnell genug weggelaufen ist, war mein Freund und Autorenkollege Vincent Kliesch. Sie kennen ihn von seinem Bestseller Die Reinheit des Todes. Auch er war sofort begeistert und sagte mir, er wolle unbedingt einen Roman aus der dieser Idee machen. Tja, und so kam es, dass aus einem Funkloch auf der A24 gleich zwei Originale herausgekommen sind: Ein Original-Buch und ein Original-Hörspiel. Beide basieren auf meinen Ideen. An beiden habe ich mitgewirkt, gefeilt, geplotted. Geschrieben aber hat den Buch-Thriller Vincent (dessen Kühlschrank übrigens nicht so gut gefüllt war während der Besprechungen, die wir bei Audible hatten, sorry Vince. Ist die Wahrheit.) Und für das Hörspiel zeichnen sich Helge May und Judith Schöll verantwortlich.

Buch und Hörspiel unterscheiden sich zwangsläufig, tragen sie doch unterschiedliche Handschriften. Das macht sie zu eigenständigen, unabhängig voneinander funktionierenden Werken, wie ich finde. Und wenn Sie eins davon nicht mögen, dann geben Sie mir nicht die Schuld dafür. Dafür müssen schön die Hörbuchfritzen und Vincent ihren Kopf hinhalten. Wenn Sie aber eine positive Kritik schreiben wollen, dann natürlich gerne unter fitzek@sebastianfitzek.de.

Scherz beiseite (hab ich so etwas antiquiertes wie „Scherz beiseite“ wirklich geschrieben? Na ja, wird der Aufnahmeleiters schon wieder rausschneiden…) – ich finde Helge May, Judith Schöll und Vincent haben einen großartigen Job gemacht, und ich hoffe, Ihnen gefällt das Ergebnis wenigstens halb so gut, wie es mir eine Freude war, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Es ist euer Buch. Euer Hörspiel. Ohne eure Arbeit würden meine Ideen weiterhin nur als Loseblattsammlung durch meine unaufgeräumten Gedankengänge flattern.

Wow. Das war doch mal ein Satz. Hoffentlich werden die nachfolgenden spannender. Aber ja, die hat ja Helge May und Judith Schöll geschrieben. Oder Vincent van Kliesch. (Sorry, der musste sein. Wegen des Ohrs. Du verstehst?)

Viel Spaß und gute Unterhaltung mit Auris wünscht Ihnen

Ihr

Sebastian Fitzek

Auris

Autor:
Sebastian Fitzek, Vincent Kliesch, Helge May, Judith Schöll
Sprecher:
Simon Jäger, Svenja Jung, Oliver Masucci, Thomas Balou Martin, Julian Horeyseck, Rauand Taleb
Spieldauer:
6:42
Typ:
Ungekürztes Hörspiel


Alle Artikel über: Auris, Sebastian Fitzek