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Gastbeitrag von Hugh Howey: Eine Chance für die Zukunft

Von: Gast
12.03.2013

Hugh Howey: Eine Chance für die Zukunft
Bevor Hugh Howey Autor wurde hat er zunächst ein paar andere berufliche Stationen durchlaufen. Er hat sich als Skipper, Bootsbauer, Dachdecker und Buchhändler verdingt, ehe er schließlich mit seinem selbst veröffentlichten Roman Silo erfolgreich wurde. Silo, Level und auch Exit, die drei Teile der Silo-Saga, wurden mit Sprecher Peter Bieringer als Hörbuch vertont. Hugh Howey war so nett für uns einen Gastbeitrag zum Thema Science-Fiction zu schreiben. Der Autor ist selbst aktiver Blogger.
Hier geht es zur Originalversion in Englisch/For English readers

Von der Fantasy zu Sci-Fi

Orson Scott Card und Douglas Adams schickten mich zum ersten Mal zu den Sternen. Ich war zwölf oder dreizehn Jahre alt, als ich Enders Game und Per Anhalter durch die Galaxis entdeckte. Diese beiden Bücher haben mich aus verschiedenen Gründen begeistert. Beide hatten die Fähigkeit, fantastische Welten zu schaffen, die zwar unglaublich, gleichzeitig aber auch irgendwie glaubwürdig waren. Ich stolperte über dieses Genre, weil Buchhandlungen Drachen seltsamerweise gerne direkt neben den Raumschiffen einsortieren. Schon lange, bevor ich Lichtschwertern begegnete, war ich ein Fantasy-Freak. Ich las alle Dungeons & Dragons- und Die Vergessenen Welten-Geschichten. Ich liebte Tolkien. Und während ich die Regale nach etwas durchsuchte, das ich noch nicht gelesen hatte, stieß ich schließlich auf eine Science-Fiction-Geschichte. Ich war sofort Feuer und Flamme. Der Übergang von Fantasy zu Science-Fiction führte nicht dazu, dass ich Ersteres weniger schätzte, aber dieser Wandel vollzog sich zu einer wichtigen Zeit in meinem Leben. Ich wuchs in einem sehr religiösen Zuhause auf. Die Antwort auf jede bedeutende Frage war in Stein gemeißelt. Es war nicht erforderlich, meine Umgebung in Frage zu stellen oder die Welt mit Hilfe von Logik zu ordnen. Zu diesem Zeitpunkt war mir wissenschaftliches Vorgehen völlig fremd. Ich entdeckte die Macht der Wissenschaft durch Romane wie Isaac Asimovs Ich, der Robot und seine Foundation-Saga. Auf Carl Sagan wurde ich zuerst durch Contact aufmerksam, wodurch ich auch seine Sachbücher wie Unser Kosmos. Eine Reise durch das Weltall kennenlernte. Was mir dort begegnete, war magischer als die Zauberei in meinen geliebten Fantasy-Romanen oder in normaler Romanliteratur. Mir wurde das Konzept näher gebracht, dass die bevorstehende Zukunft ebenso mysteriös und wundersam sein könnte wie die verborgene Vergangenheit. Ich erfuhr auch etwas über die Natur des Menschen.

Dystopien - eine Warnung an die Menschheit

Die größte Macht von Science-Fiction liegt in der Fähigkeit, eine Welt vorhersagen zu können, die anders ist als die unsere, aber auf Logik aufgebaut ist. Wir können uns vorstellen, wie die Dystopien aus 1984, Schöne neue Welt, Fahrenheit 451 und Die Tribute von Panem auf Grund unserer eigenen Fehler und Fehltritte entstehen könnten. Diese Werke dienen als Warnungen, obwohl sie uns unterhalten. Sie weisen uns an, Entscheidungen mit Bedacht zu treffen, denn unsere Entscheidungen bestimmen, was für eine Welt wir der nächsten Generation hinterlassen. Neben einem Bewusstsein für das Schicksal der Menschheit verschaffte Science-Fiction mir auch meinen ersten flüchtigen Blick in die Tiefenzeit. Es war schwierig für mich, den Gedanken, dass das Universum Milliarden von Jahre alt ist und noch Milliarden von Jahre fortbestehen würde, zu erfassen. Das ist noch immer so. Auf irgendeine Art jedoch war der Gedanke, dass Jahrhunderte einfach so vorbeiziehen, ebenso erstaunlich und wunderschön wie der Blick durch ein Teleskop auf die unzähligen Sterne. Diese Entdeckungen führten nicht dazu, dass ich mich klein fühlte - ich begann vielmehr, wertzuschätzen, was für ein Glück ich habe, zu existieren, was für ein besonderes Geschenk jedes einzelne Leben ist, und dass es nicht leichtsinnig verschwendet werden sollte.

Was können wir von Science Fiction lernen?

In erster Linie lehrte mich Science-Fiction, moralisch zu sein. Der Blick in die Zukunft bringt die Fähigkeit mit sich, sich vorzustellen, wie wir in der Vergangenheit, heute, leben könnten. So viele Gepflogenheiten, die einst weit verbreitet waren, gelten heute als barbarisch. Jahrtausendelang schien die Sklaverei für die Menschen ganz normal zu sein. Heute wissen wir, dass sie eine Abscheulichkeit ist. Frauen hatten viel weniger Rechte und weniger Einfluss auf ihr eigenes Schicksal. Wir beginnen gerade, diese Kluft zu überbrücken. Im Rahmen dieser Gedanken frage ich mich, welche der von uns heute gelebten Moralvorstellungen den Menschen in zukünftigen Jahrhunderten wohl seltsam erscheinen werden. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als Raumschiff Enterprise eine gemischtrassige Romanze zeigte. Was damals schockierend war, wird heute viel weitläufiger akzeptiert. Motive der Toleranz füllten Geschichten über den ersten Kontakt mit Außerirdischen. Warnungen bezüglich unseres Unvermögens, zu kommunizieren, waren ebenfalls im Überfluss vorhanden. Wuchs man mitten im Kalten Krieg auf, machte das Geschichten über die gegenseitige Vernichtung äußerst packend und aktuell. Science-Fiction erweiterte meine Moralvorstellungen unter anderem dadurch, dass Außerirdische als die barmherzigere Spezies dargestellt wurden. Menschen waren nicht immer die Guten. Diese Inversion des allzu simplen Cowboy-Indianer-Systems meiner Jugend lehrte mich, immer beide Seiten einer Angelegenheit zu betrachten. Ich hörte damit auf, anzunehmen, dass meine Seite immer die richtige sein würde. Für einen Jungen, der im amerikanischen Süden aufwuchs, war das eine wirklich gewaltige Lektion.

Worauf es ankommt

Trotz all des Nutzens und der Lehren, die Science-Fiction bieten kann, wurde mir bewusst, dass es in meinen Lieblingswerken schlussendlich immer wieder auf den Charakter hinauslief. Es waren die Menschen in den Geschichten, in die ich mich verliebte. Es waren ihre Kämpfe, die ich so leidenschaftlich mitfühlte. Ich kehre wieder und wieder zu meinen Lieblingswerken zurück, so als besuchte ich alte Freunde. Silo von Hugh HoweyAls ich mich hinsetzte, um meinen ersten Roman zu schreiben, gab es keinen Zweifel daran, dass er in der Zukunft spielen würde. Es würde jedoch eine Geschichte sein müssen, die auf vernünftigem, logischem Denken aufbaute und voll von echten Menschen war. Sie würden ihre Vorurteile überwinden, sich als Menschen weiterentwickeln und sowohl Erinnerungen wachrufen als auch warnen müssen. Das sind die Dinge, die ich an dem wundervollen Genre Science-Fiction liebe. Insbesondere, wenn sie sich alle so vereinen, dass sie Bekehrte aus der nach neuem Lesestoff stöbernden Menge machen. Sagt mir jemand, er oder sie lese dieses Genre normalerweise nicht, Silo sei aber eine seiner oder ihrer Lieblingsgeschichten, erinnert mich das an meine Jugend und daran, etwas Neues zu versuchen und für immer verändert zu werden.
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Das Ende von Silo

Howey - ExitExit schließt die Silo-Serie des amerikanischen Kult-Autors Hugh Howey ab und führt sie zu einem verblüffenden Ende. Exit ist ab dem 30. März 2015 bei Audible erhältlich.
Die Original-Hörbücher auf Englisch könnt ihr euch hier herunterladen. Auf Englisch heißt der erste Band Wool, der zweite Sand und der dritte Dust.   Hörproben der englischen Hörbücher gibt es auf Hugh Howeys Webseite.
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Hugh Howey im exklusiven Video-Interview.