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Star Trek Vanguard: Wie entsteht ein Hörbuch?

18.11.2010

(Update: folgender Artikel wurde zum Start der Hörbuchaufnahmen von Star Trek Vanguard 2010 verfasst)

Die Auswahl des geeigneten Buchs Heute möchte ich euch zur Produktion einer neuen ungekürzten Hörbuch-Serie mitnehmen und euch verraten, was alles passieren muss, damit ein Buch bei uns vertont wird und ihr es euch irgendwann bei uns herunterladen könnt. Dafür habe ich mir die Produktion der neuen Star Trek Vanguard-Serie, gesprochen von Dietmar Wunder, ausgesucht.

Mein bester Ansprechpartner in Sachen Hörbuch-Produktion ist Simon. Simon kennt ihr ja mittlerweile auch schon durch sein Interview hier auf dem Blog. Er ist derjenige bei uns, der entscheidet, welche Hörbücher wir vertonen. Nur, wie macht er das? Woran orientiert er sich? All diese Fragen habe ich ihm natürlich gestellt. Als erstes schaut er sich unsere Wunschliste an, wo jeder von euch Bücher vorschlagen kann, die für eine eventuelle Vertonung in Frage kommen. Wir sind z.B. durch unseren Hörer goover75 damals auf Die Therapie von Sebastian Fitzek aufmerksam gemacht worden. Das ist nur ein Beispiel von vielen Hörbüchern, die es bei uns immer wieder auf die Bestsellerliste schaffen.

Anhand der Verkaufszahlen weiß Simon auch ganz genau, welche Hörbuch-Genres von unseren Hörern besonders gern gehört werden. Das sind z.B. Psychothriller, gerne auch die etwas härteren Psychothriller und Fantasy- und Science Fiction-Serien. Deshalb werdet ihr aus diesen Genres besonders viele Hörbücher bei Audible finden. Ansonsten wühlt er sich durch die vielen Buch-Rezensionen im Netz, überprüft, ob es sie schon als Hörbuch gibt oder nicht und beobachtet die Bestsellerlisten.

 Cover_StartrekWie ist Simon eigentlich auf die Star Trek Vanguard-Bücher gestoßen? Bereits im vergangenen Jahr haben wir uns auf die Star Trek Titan-Serie gestürzt. Er hat festgestellt, dass es noch kein deutsches Star Trek-Hörbuch gab, obwohl die Fangemeinde zu der Serie so groß ist. Er hat also mit dem Cross Cult Verlag gesprochen und sich einfach an diese so bekannte Serie gewagt - mit Erfolg. Danach wollten wir den Fans mehr bieten und haben uns für die Produktion der Vanguard-Serie stark gemacht.

Jetzt hat Simon also die Star Trek Vanguard-Serie ausgewählt, die als Hörbuch-Serie vertont werden soll. Doch was passiert dann? Er erzählt mir, dass er als erstes seinen Kontakt bei dem Buchverlag anruft und die Verhandlungen beginnen. Neben den monitären Interessen geht es aber auch um die Klärung der Downloadrechte. Das kann durchaus mal etwas dauern, weil alle Rechtegeber zustimmen müssen. Das können z.B. Agenturen oder Autoren in den USA oder anderswo sein. In älteren Verträgen sind teilweise die Rechte zum Download nicht einzeln erwähnt, aber mittlerweile werden die Downloadrechte von Anfang an mit verhandelt. Ist ein Buch eingekauft, landet es erstmal auf Gabys Tisch.

[caption id=“attachment_2560” align=“alignright” width=“200”]Foto Dietmar Wunder Dietmar Wunder[/caption]

Die Auswahl des Sprechers Gaby trifft in der Regel eine Vorauswahl der Sprecher und hört sich dann zusammen mit Simon die Stimmen an. Die beiden entscheiden sich für eine A-/B-/C–Besetzung, was soviel heißt wie Erst-, Zweit- und Drittbesetzung und fragen dann an, ob die Sprecher Interesse und Zeit haben, das Hörbuch zu vertonen.

Bei der Auswahl eines Sprechers geht es natürlich vor allem darum, aus welcher Perspektive ein Buch erzählt und welche Stimmung transportiert wird. Meistens hat man durch die vielen Filme schon einen bestimmten Synchronsprecher im Kopf. Bleiben wir doch bei dem Beispiel der Star Trek Vanguard-Serie. Da die Handlung zeitlich während Star Trek – The Original Series – angelegt ist, wäre es hier naheliegend gewesen, eine Synchronstimme aus dieser Serie zu nehmen. Da die Serie so alt ist, werden aber aus dieser Besetzung nur noch wenige aktiv sein. In diesem Fall muss der Sprecher komplett neu besetzt werden. Simon erzählt mir, dass er u.a. einen kernigen Kapitän vor seinem geistigen Auge sieht, einen Draufgänger und Abenteurer. In diesem Fall greift er auf erfolgreiche Sprecher zurück. Das ist wie in einem Schauspieler-Ensemble. Aus diesem Ensemble hat er die Synchronstimme des neuen James Bonds, Daniel Craig, ausgesucht. Der Sprecher heißt Dietmar Wunder. Wenn man keinen Sprecher vor Augen hat, veranstaltet man zusammen mit dem Aufnahmestudio Sprechercastings. So sind wir z.B. auf Elena Wilms gestoßen, die jetzt die Gestaltwandler-Serie bei uns spricht.

Produktionsvorbereitungen Zu Gabys Produktionsvorbereitung gehört dann im nächsten Schritt die Bestellung des Textes bzw. des Skripts beim Buchverlag. Auch die Formatierung und Änderung der Schriftgröße ist besonders für die Sprecher wichtig. Hier gibt es immer individuelle Vorlieben der verschiedenen Sprecher zu beachten. Außerdem kommt es vor, dass im Buch Tabellen oder Zeichnungen abgebildet sind. Hier muss Gaby dann entscheiden, ob Sie so wichtig sind, dass wir ein PDF erstellen lassen, was man zusätzlich zu dem Hörbuch dann in der Bibliothek zum Download erhält. Ein Beispiel ist die Fantasy-Serie Das Rad der Zeit von Robert Jordan. Hier war es wichtig, ein Personenregister mit Stammbaum zu erstellen, damit man den besseren Überblick über die Figuren behält.

Bei den Star Trek-Hörbüchern wurde während der Vorbereitung auch darauf geachtet, ob z.B. klingonisch gesprochen wird oder ob es wichtige, englische Fachbegriffe gibt, die Star Trek-Fans kennen. Wir müssen zugeben, dass es bei der ersten Star Trek Titan-Produktion gerade bei Fachbegriffen und Personennamen etwas gehapert hat. Star Trek-Fans haben uns auf die Fehler aufmerksam gemacht und uns sehr dabei geholfen, die richtige Aussprache zu finden. Für die Aufnahme haben sie sogar MP3-Files mit der richtigen klingonischen Aussprache vorbereitet, die in der Aufnahme als Vorbild dienten. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle für die tolle Hilfe!

In den vergangenen Wochen wurde die Star Trek Vanguard-Serie im Hörspielstudio von Oliver Rohrbeckaufgenommen und ich wollte es mir nicht entgehen lassen, 007 äh… Dietmar Wunder dort zu besuchen.

Interview mit Dietmar Wunder

Hörbücher-Blog: Hallo Dietmar, schön, dass du dir Zeit für ein paar kurze Fragen genommen hast. Die erste Frage, ob du Star Trek Fan bist, kann ich mir leider nicht verkneifen.

Dietmar Wunder: Und wie! Allerdings sind meine Helden Captain James T. Kirk und seine Crew.

Hörbücher-Blog: Wir sprechen bei der Vanguard-Serie aber nicht von der klassischen Star Trek-Serie, die wir aus dem Fernsehen kennen, sondern von einer veränderten Form. Die althergebrachten Figurenmuster und dargestellten Berufe wurden komplett geändert. Anstelle eines Schiffskapitäns gibt es z.B. einen Commodore, statt eines Ersten Offiziers gibt es eine Agentin von Starfleet Intelligence. Ist das komisch – kommt man da nicht durcheinander?

Dietmar Wunder: Die Charaktere sind vielschichtig. Da muss man erstmal durchsteigen, aber das macht es dann auch interessant.

Hörbücher-Blog: Du vertonst bereits seit einigen Tagen die Star Trek Vanguard-Serie als Hörbuch. Es geht um die ersten vier Folgen mit jeweils 12 Stunden Laufzeit. Wir lange brauchst du voraussichtlich für 48 Stunden Hörbuch?

[caption id=“attachment_2561” align=“alignleft” width=“300”]Foto Dietmar Wunder 2 Dietmar Wunder im Studio[/caption]

Dietmar Wunder: Wenn alles weiter so gut läuft wie die ersten Tage, brauche ich etwa 20 Tage für alle 4 Teile. Dann weiß ich hoffentlich wirklich über Vanguard bescheid und fliege erstmal zurück zur Erde!

Hörbücher-Blog: Wie ist das, wenn man eine längere Hörbuch-Serie einspricht? Wenn man sich tagelang in dieselben Protagonisten versetzen muss, wenn man stundenlang in deren Leben eintaucht?

Dietmar Wunder: Es ist natürlich schon anstrengend und fordert Disziplin. Man nimmt dann auch die Figuren abends mit nach Hause und denkt darüber nach, wie man sie weiter entwickeln möchte.

Hörbücher-Blog: Muss man sich auf eine Serie besser vorbereiten, weil mehr Figuren vorkommen als bei Einzeltiteln?

Dietmar Wunder: Man muss damit rechnen, viele Charaktere mit Leben zu erfüllen. Das ist zum einen eine Herausforderung, macht aber auch sehr viel Spaß, weil es die Fantasie und die Improvisation weckt.

Hörbücher-Blog: Wie bereitest du dich normalerweise auf eine Hörbuch-Produktion vor?

Dietmar Wunder: Ich lese das Werk intensiv, mache mir Gedanken über die Stimmung und die Charaktere, die ich dem Hörer bieten möchte.

Hörbücher-Blog: Sprichst du lieber Serien oder Einzeltitel? Kann man das überhaupt so pauschalisieren?

Dietmar Wunder: Das ist schwer zu pauschalisieren. Einzeltitel sind in sich abgeschlossen und man kann einmalig eine Welt für den Hörer erschaffen. Dann ist es wie in der Musik oder Kunst und man ist stolz, wenn man ein Hörbuch gut fertiggestellt hat. Hörbuch-Reihen oder –Serien können, wenn sie zeitlich eng beieinander liegen, oft sehr kräftezehrend sein. Ich persönlich mag einzelne Werke lieber oder Titel, die erst nach einiger Zeit fortgesetzt werden.

Hörbücher-Blog: Welche Figur in der Vanguard-Serie gefällt dir am besten?

Dietmar Wunder: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Kirk ist ein großmütiger Held. Aber auch Spok gefällt mir gut. Spaß machen mir Jetanien, Quinn und Ganz. Nein, ich kann es wirklich nicht sagen, ich spreche sie alle extrem gerne.

Hörbücher-Blog: Welches war die lustigste Situation oder der lustigste Versprecher bei der Aufnahme bisher?

Dietmar Wunder: Großartig ist immer „…antwortete T’Prynn“, am besten ganz schnell sprechen :-). Wir lachen insgesamt sehr viel – es herrscht einfach eine tolle Stimmung bei der Aufnahme im Hörspielstudio.

(Update: Am 28.03.2013 erscheint der 6. Teil der Serie - Star Trek Vanguard - Enthüllungen!)

Hier geht es zu den Star Trek Vanguard Hörbüchern.

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