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Sturmhöhe von Emily Brontë

Von: Gast
09.05.2011

Anja ist seit über 25 Jahren eine Leseratte. Um ihre große Leidenschaft geht es daher natürlich auch in ihrem Blog www.anjasbuecherblog.wordpress.com . Das Internet ist für sie dabei eine wunderbare Möglichkeit, ihre Leseleidenschaft mit anderen zu teilen. Zur Zeit macht sie zwar eine kleine Blogpause, ist aber ab Juni mit neuen Rezensionen zurück.

Manchmal brauche ich einfach eine Geschichte voll großer Emotionen, voll Liebe, Hass, Eifersucht und Rache. Also eine Geschichte wie Sturmhöhe, geschrieben von der britischen Autorin Emiliy Brontë (1818 - 1848) und veröffentlicht 1847 unter dem (männlichen) Pseudonym Ellis Bell.

Sturmhöhe erzählt die Geschichte des Findelkindes Heathcliff, der vom Besitzer des Anwesens “Wuthering Heights” (“Sturmhöhe”), Mr. Earnshaw, in Liverpool als Straßenkind aufgelesen und mit nach Hause gebracht wird. So wird Heathcliff der Stiefbruder von Hindley und Catherine ‘Cathy’ Earnshaw; Hindley schikaniert das neue Familienmitglied aus Eifersucht, Catherine hingegen wird Heathcliffs beste Freundin und später seine große Liebe. Als Catherine jedoch mit 16 den Heiratsantrag des Erben des Anwesens von Thrushcross Grange, Edgar Linton, annimmt, verschwindet Heathcliff spurlos. Als er drei Jahre später als reicher und gebildeter Mann zurückkehrt, will er nur eines: Rache…

Dass in Sturmhöhe zwei Ich-Erzähler berichten, wird in der Hörbuchfassung gut umgesetzt: Wolfram Koch liest Mr. Lockwood, den Mann, der von Heathcliff Thrushcross Grange pachtet und diesen auf Wuthering Heigths aufsucht. Man weiß also von Anfang an, dass Heathcliffs Rache (scheinbar) erfolgreich war, da ihm nun beide Anwesen gehören. Eva Mattes liest Nelly ‘Ellen’ Dean, Lockwoods Haushälterin auf Thrushcross Grange, die lange Jahre sowohl den Earnshaws als auch den Lintons gedient hat, und Lookwood nun in Etappen die Geschichte von Heathcliff, Catherine und deren Nachkommen erzählt:

Heathcliff, einst armes und herumgestoßenes Straßenkind, der als böser, rachsüchtiger Mann zurückgekehrt ist, Menschen als seinen “Besitz” betrachtet, mit ihnen spielt wie mit Schachfiguren und den Lockwood als “ungehobelten Klotz” und als “Rauhbein” kennenlernt. Mit Heathcliffs Geschichte untrennbar verbunden ist die Geschichte von Catherine Earnshaw, seine Ziehschwester und spätere große Liebe: Catherine und Heathcliff sind Seelenverwandte  - doch Cathy heiratet nicht Heathcliff, weil sie das als gesellschaftlichen Abstieg ansehen würde, sondern Edgar Linton. Glücklich wird sie mit ihrer Entscheidung aber nicht, sondern nervlich und körperlich krank und stirbt schließlich, kurz nach Heathcliffs Rückkehr, bei der Geburt ihrer Tochter.

Weder Heathcliff, noch Cathy, noch die restlichen Personen sind mir wirklich sympathisch: Heathcliff, der mir als Kind und zurückgewiesener Jugendlicher noch sehr Leid tat, ist nach seiner Rückkehr um keinen Deut besser  - eher schlimmer - als die Leute, die ihn schlecht behandelt haben und zerstört mit seinem rücksichtslosen Verhalten auch das Leben derer, die gar nichts für sein Leiden können, nämlich das der Nachkommen der Earnshows, der Lintons und sogar das seines eigenen Sohnes. Und Cathy, die einerseits ihre Liebe zu Heathcliff so betont, dann aber doch einen anderen heiratet, ist auch nicht gerade eine Sympathieträgerin. Und trotzdem ließ mich die Geschichte nicht mehr los, und ich konnte kaum erwarten, wie sie wohl ausgehen würde, so wunderbar schrieb Emily Brontë.

Wolfram Koch und besonders Eva Mattes lesen grandios, und die wunderbare klassische Musik, die zwischen den einzelnen Erzählpassagen eingespielt wird, runden das Hörbuch ab. Ich kann es nur jedem empfehlen, dem nach einer Geschichte voll großer Gefühle ist!