Audible

The Graveyard Book von Neil Gaiman

Von: Gast
12.09.2011

Christian Bärmann, so glauben zumindest seine beiden Söhne, wurde mit Stöpseln im Ohr geboren. Als Journalist, der sich im Rahmen des Magazins (hör)BÜCHER, www.hoerbuecher.com,  mit Hörbüchern befasst, ist er ohne Kopfhörer fast nackt. Sein Gesichtsausdruck ist besonders dann oft selig, wenn er sich mit Originalstimmen aus dem Vereinigten Königreich beschallen lässt.

The Graveyard Book Autor: Neil Gaiman Sprecher: Neil Gaiman Spieldauer: 7 Std. 48 Min.

Hörbücher werden offenbar selten mehr als einmal gehört (vielleicht mal abgesehen von Die drei ???, aber die sind ja ohnehin eine Kategorie für sich …). Ein Blick in die Hörbuchsektion von Ebay spricht Bände. Auch mir geht es so. Mit einer Ausnahme. The Graveyard Book von und mit Neil Gaiman habe ich bereits zweimal gehört. Und werde es irgendwann sicher auch noch ein drittes Mal tun. Dieses Hörbuch ist schlicht magisch. Was Sprecher Neil Gaiman aus dem gezaubert hat, was Autor Neil Gaiman bereits kaum besser machen konnte, ist grandios. Zugegeben, ich liebe den Klang des britischen Englisch. Gebt mir Hugh Laurie oder Stephen Fry im Original, und ich bin glücklich. Oder Hugh Grant, dann sitze ich auch Notting Hill mehr als einmal durch.

Aber Neil Gaiman, der Engländer mit Wohnsitz in Minneapolis, liest seinen mit leichter Feder verfassten Roman mit einer Selbstverständlichkeit, die deutlich macht, dass niemand anders als er das englische Original hätte besser lesen können. Natürlich versteht er sein eigenes Werk mehr als jeder andere. Doch es gelingt ihm auch, dieses Verständnis hörbar zu machen. So als könne es gar nicht anders sein, variiert der Engländer seine warme Erzählerstimme, spielt mit Akzenten seiner Muttersprache, „altert“ mit der Hauptfigur, passt das Tempo an und setzt Pausen an genau den richtigen Stellen. Selten wurden Romanfiguren so stimmig, effektiv und liebevoll zum Leben erweckt – zumal Autor Gaiman genüsslich aus dem reichen Schatz der englischen Sprache schöpft.

Der Hörer fühlt, leidet, zittert und freut sich mit, wenn Gaiman die Geschichte des Waisenjungen Nobody Owens erzählt, der nach dem Mord an seinen Eltern von den Bewohnern (Geistern) eines Friedhofs großgezogen und vor dem Mörder, der noch immer hinter ihm her ist, geschützt wird. „Bods“ Erlebnisse mit seiner Ziehfamilie, seinem „Guardian“, historischen Persönlichkeiten sowie außerhalb der Friedhofsmauern sind anrührend, komisch und am Ende ungemein spannend. Am besten, ich höre es gleich noch einmal.