True Crimes – Märchen und ihre wahre Geschichte

Elke Koepping | 29.12.20

Märchen und Sagen beruhen zum Großteil auf Überlieferungen. Doch wer waren die echten Menschen hinter Hänsel und Gretel, Blaubart, Rapunzel & Co? Auf Spurensuche zu den wahren Tatorten der Geschichte – und den echten Kriminalfällen, die sich hinter dem einen oder anderen bekannten Märchen verbergen.

Killermärchen

„Es war einmal ...“ – der Satz, mit dem so viele Märchen beginnen, ist eine sattsam bekannte Formel. Doch wir alle wissen seit Kindertagen: das sind ja nur Märchen! Erfundene Geschichten, die uns lediglich vorgaukeln, sie hätten sich so und nicht anders, einst, damals, vor langer, langer Zeit zugetragen. Aber ist das wirklich der Fall? Sind es erdichtete Erzählungen von Spinnweibern in den gutbeheizten Stuben langer Winternächte, bei denen zur inneren Erbauung auch das eine oder andere hochgeistige Getränk floss? Und je länger der Faden und je dicker das gesponnene Knäuel wurde, desto länger und abenteuerlicher wurde die daran geknüpfte Geschichte?

Doch halt, abgesehen von Kunstmärchen, die sich ein Autor wie Wilhelm Hauff, Hans Christian Andersen oder Wilhelm Tieck ausgedacht hat, beruhen viele Märchensammlungen, genau wie regionale Volkssagen, auf Überlieferungen. Und gerade Sagen ranken sich um historische Figuren, die nachweislich existiert haben. Ob sie die überlieferten Geschichten nun genau so oder vielleicht ganz anders wirklich erlebt haben, ist in dem Zusammenhang eine andere Frage, das ist so ähnlich wie mit den Überlieferungen der Bibel oder des Korans. Um einst existierende Menschen haben sich mit der Zeit allegorische Geschichten gesponnen, aus der sich die eine oder andere nützliche Lehre für das Zusammenleben in einer Gesellschaft ziehen lässt.

Grimms Morde
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Grimms Morde

Geschrieben von:Tanja Kinkel
Gesprochen von:Vanida Karun
Spieldauer:13:40
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Wie ist das also mit den Märchen? Gerade die Brüder Grimm, die die in heutiger Zeit bekanntesten deutschen Märchen zusammengestellt und veröffentlicht haben, waren ja als Märchensammler bekannt, nicht als Märchenautoren. Wer waren also diese Menschen, die all das erlebt haben? Den hundertjährigen Schlaf in einem von Rosen zugewachsenen Schloss, das Verbrennen im eigenen Backofen, der in einem Haus aus lauter Lebkuchen besteht, die Frau mit dem sagenhaft langen und starken Zopf, an dem ein Prinz einen Turm erklettern konnte? Eine Reise zurück in der Zeit zu den wahren Tatorten der Geschichte – und den echten Kriminalfällen, die sich hinter dem einen oder anderen bekannten Märchen verbergen.

Hänsel und Gretel

Der Gedanke, die eigenen Kinder im Wald auszusetzen – das klingt perfide. Aber ein leerer Kühlschrank – oder auch das Leben unter Pandemiebedingungen, wie zur Zeit auf so vielen Ebenen der Gesellschaft erlebbar – dann mitunter dazu führen, dass Menschen seltsame und unter Aspekten des gesunden Menschenverstandes nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Die Backstory (liest sich: Bäckstory, nicht Backstory – obwohl, hmm ...) von "Hänsel und Gretel" könnte auf den sogenannten „Großen Hunger“ der Jahre 1315–1317 zurückgehen. Lange Winter und Überschwemmungen führten zu Ernteausfällen in der Verbindung mit grassierenden Tierseuchen – und in der Folge zu mehreren Millionen Toten in Europa. Ganze Dörfer sollen ausgestorben sein. Um zu überleben, wurden nicht nur verseuchte Tierkadaver gegessen, es soll vereinzelt zu Fällen von Kannibalismus gekommen sein, und ja, auch Kinder wurden zurückgelassen, um weniger Mäuler mit dem wenigen noch Vorhandenen stopfen zu können.

Theodor Hosemann – Haensel und Gretel

Die Hexe geht angeblich auf die Geschichte einer beispiellosen Verleumdung aus Habgier zurück: nicht selten wurden geschäftliche (oder auch Beziehungs-) Konkurrentinnen und Konkurrenten zur Zeit der Inquisition durch die Behauptung aus dem Feld geräumt, sie beschäftigten sich mit den Schwarzen Künsten. So soll die Hexe in der überlieferten Erzählung über "Hänsel und Gretel" nach dem Vorbild einer Lebkuchenbäckerin aus Wernigerode im Harz zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges modelliert worden sein. Das sagenumwobene Lebkuchenrezept der Katharina Schraderin, das sie unter dubiosen Umständen aus einem geheimen Rezeptbuch des Abts von Quedlinburg an sich gebracht haben soll, lockte Kunden und Kundinnen von Nah und Fern, ihr Geschäft boomte, wie man heute sagen würde. Sehr zum Missfallen ihres Konkurrenten, Hans Metzler, seines Zeichens herzoglicher Hofbäcker in Nürnberg. Nur zu gerne hätte er das märchenhafte Rezept an sich gebracht, und so beschuldigte er Katharina der Hexerei. Sie wurde aus der Stadt gejagt und fand Zuflucht im Spessart. Dort wurde sie von Hans und seiner Schwester Grete noch im selben Jahr aufgespürt, erwürgt und in einem ihrer vier Öfen verbrannt. Das Rezept hätten sie jedoch nie gefunden. Ein Lehrer namens Georg Ossegg habe im Jahr 1962 historische und archäologische Beweise für diesen Vorgang – und auch das Rezept entdeckt.

Diese Fama gehört allerdings genauso ins Reich der Sagen und Märchen wie Hänsel und Gretel selbst: es ist eine dieser modernen urbanen Mythen, die sich hartnäckig halten, Fake News sozusagen, ungefähr so echt wie die Hitler-Tagebücher aus der Feder von Konrad Kujau. Erdichtet hat diesen Hoax der Satiriker und Karikaturist Hans Traxler. Und nicht wenige sind mit fliegenden Fahnen darauf hereingefallen. Böse! Aber auch too good to be true ...

Dunkelgrimm: Die 30 dunkelsten Märchen der Brüder Grimm
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Dunkelgrimm: Die 30 dunkelsten Märchen der Brüder Grimm

Geschrieben von:Brüder Grimm
Gesprochen von:Thomas Dehler, Claudia Gräf
Spieldauer:3:21
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Schneewittchen

Den historischen Ursprung für die Schneewittchen-Geschichte beanspruchen nicht weniger als vier deutsche Regionen für sich, die wahrscheinlichste und irgendwie auch gruseligste ist die von Margaretha von Waldeck, das liegt bei Kassel. Und bekanntermaßen haben die Brüder Grimm gerade in der Kasseler Gegend viele Märchen gefunden und aufgeschrieben, denn in Kassel gingen sie nicht nur zur Schule, sondern lebten dort längere Zeit und immer mal wieder.

Wir bewegen uns etwa Mitte des 16. Jahrhunderts: die schöne Margaretha von Waldeck, Tochter des Grafen von Waldeck, war für ihren Liebreiz weithin bekannt, doch litt sie unter der Strenge ihrer Stiefmutter. Mit 16 Jahren wurde sie nach Brabant gesandt, an den kaiserlichen Hof, also ins heutige Brüssel, um einen Prinzen zu heiraten. Auf dem Weg dorthin musste sie wohl auch über das Siebengebirge reisen. Doch die junge Grafentochter brachte einiges an Wirren an den Kaiserhof, denn wegen ihrer Schönheit lechzten hochrangige Persönlichkeiten wie Graf Egmont und der Prinz, der spätere Thronfolger Philipp II., nach ihrer Gunst. Ohne erkennbare Ursache verschlechterte sich ihre Gesundheit plötzlich und sie starb 1554 im zarten Alter von 21 Jahren. Die Heimatchronik von Waldeck führt aus, dass sie vergiftet worden sei, und das erscheint auch vor dem Hintergrund plausibel, dass ihr Testament in außerordentlich zittriger Schrift verfasst ist. Ohne Zweifel war das eine Wirkung des unter dem Spitznamen „Erbgift“ bekannten Arseniks. Seit der Antike war es als Mordgift wohlbekannt und oft verwendet. Beliebt daran war vor allem, dass es bei richtiger Dosierung jahrhundertelang chemisch nicht nachweisbar war (also, falls jetzt jemand mit dem Gedanken spielt: heute stehen der Wissenschaft natürlich ganz andere Nachweismöglichkeiten zur Verfügung, also lieber Finger weg!). Ob sie nun durch die Hand einer Konkurrentin starb oder die Hand eines Verehrers, der ihre Gunst seinem Widersacher nicht gönnte, nun, darüber breitet sich bis heute der gläserne Deckel des Schweigens.

Nur am Rande: Margaretha war blond. Das tut der Mär aber wirklich keinen Abbruch, denn in den frühen Fassungen der Erzählung von "Schneewittchen" und ihren sieben kleinen Freunden war ihr Haar nämlich nicht „schwarz wie Ebenholz“, sondern „gelb“, also quasi „gelb wie Stroh“. So schnell wird aus ner Blondine also ein Goth – und das ganz ohne schwarze Seele!

Asche, Schnee und Blut: Die Grimm Chroniken 2
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Asche, Schnee und Blut: Die Grimm Chroniken 2

Geschrieben von:Maya Shepherd
Gesprochen von:Marlene Rauch
Spieldauer:2:55
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Rapunzel

Die "Rapunzel"-Erzählung scheint regelrecht an den Haaren herbeigezogen. Sie hat jedoch vermutlich schon vorchristliche Wurzeln, so dass ein eventuell vorhandener historischer Bezug heute schon nicht mehr nachweisbar ist. Der antike Mythos um Danaë könnte eine dieser Quellen sein, aber auch die Geschichte der christlichen Figur der heiligen Barbara findet sich in Teilen im Märchen um die Langhaarige im Turm wieder. Ihr Gedenktag, der Barbaratag, wird traditionell am 4. Dezember begangen und sie gilt als Schutzpatronin vor Blitzeinschlag – und später auch im Bergbau als Schutz vor Sprengunfällen, vermutlich weil die Blitzen so ähnlich waren, nur dann halt unterirdisch.

Die Barbaralegende fußt auf der historischen Figur der "Barbara von Nikomedien". Auch hier haben wir es wieder mit einer außerordentlich schönen Frau zu tun, ausnahmsweise war diese aber auch mit Intelligenz beschlagen. Sie hatte nämlich überhaupt keine Lust, einen ihrer vielen Verehrer zu heiraten, die wie üblich nur auf ihr Aussehen abstellten. Ihr Vater, ein gewisser Herr Dioscuros, sperrte sie in einen zu diesem Zweck erbauten Turm, eben um sie vor diesen ganzen Verehrern zu schützen (die genauen Motive des Vaters sind dabei irgendwie unklar, aber vielleicht wollte er sie einfach für sich behalten). Das war aber im Prinzip völlig überzogene Liebesmüh, denn die schöne Barbara hatte ihren eigenen Kopf, ließ sich hinter dem Rücken ihres Vaters taufen und schwor der Liebe und Ehe völlig ab – viel lieber wollte sie den Rest ihres Lebens in intellektueller Einsamkeit und Keuschheit und mit dem christlichen Gott verbringen, dem sie Treue gelobt hatte.

Naja, der erboste Vater will sie daraufhin natürlich umbringen, weil er ein Heide ist, so sind die eben, die Heiden (zumindest aus Sicht der Christen mittelalterlicher Prägung, aber die haben ja auch Hexen verbrannt), es tut sich erst mal ein Fels auf, dann wird sie wieder von Hirten verraten, die Geschichte entwickelt sich ziemlich komplex. Sie wird aber zu guter Letzt eben zum Tode verurteilt, vorher aber noch so richtig dolle vom Richter persönlich gefoltert und dann schließlich von ihrem Vater höchstderoselbst enthauptet. Der daraufhin vom Blitz getroffen wird und selber stirbt – deswegen die Sache mit der Schutzheiligen vor plötzlichem Blitzeinschlag. Wie man sich das jetzt zusammenreimen soll, ist eine andere Frage, denn Barbara war ja schon tot und der Vater ja dann auch, also genützt hat der Blitz irgendwie niemandem, aber, heck, so geht sie halt, die Legende.

Der Vater spielt in dieser ganzen Sache auch eine recht unrühmliche Rolle, also wenn man die Legende von der heiligen Barbara mal feministisch deutet, da tun sich ja Abgründe auf: die Tochter als Besitz und wenn sie nicht spurt, wird sie nen Kopf kürzer gemacht. Nicht grade ein Vorbild in Sachen Toleranz und antiautoritärer Erziehung, dieser Dioscuros. Und wie passt jetzt eigentlich ins Bild, dass der Gegenpapst des Jahres 530 nach Christus auch Dioskur hieß? Also die Entstehung dieser Märtyrergeschichte um die Heilige Barbara kriegt doch da irgendwie so einen politischen Nachgeschmack. Das ist doch so’n bisschen wie die Sache mit den geleakten Emails von Hillary Clinton, damals im Wahlkampf 2016, worüber sich alle so echauffiert haben. Und dann hat der Trump gewonnen. Und da schließt sich der Kreis im Jahr 2020 vielleicht auch wieder: sieht dieser Trump nicht auch ein bisschen so aus, wie man sich Gothel vorstellt, die schrumpelige orangegesichtige Hexe, die Rapunzel in den Turm gesperrt hat? Und hat Melania nicht auch auffällig langes Haar ... ?

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?: Das Vermächtnis der Grimms 1
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Wer hat Angst vorm bösen Wolf?: Das Vermächtnis der Grimms 1

Geschrieben von:Nicole Böhm
Gesprochen von:Fanny Bechert
Spieldauer:16:16
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Blaubart

Eines der grausamsten und unheimlichsten Märchen der Brüder Grimm, die Geschichte um "Blaubart" und seine ermordeten Exfrauen, geht auf zwei nicht weniger gruselige und grausame historische Figuren zurück. Und ausnahmsweise spielt hierbei die Schönheit irgendwelcher Frauen überhaupt keine Rolle (das fing auch langsam an redundant zu werden!). Das Schöne an diesem Märchen ist, dass es ein Happy Ending für zumindest eine dieser Ehefrauen gibt, die sich durch List und Klugheit aus ihrem Elend befreit. Das wiederum hat nichts mit den beiden historischen Vorbildern zu tun. Der eine ist im deutschen Sprachraum weniger bekannt, Konomor oder "Conomor the Cursed", ein bretonischer Graf, der nicht nur unzählige Ehefrauen, Kinder, Stiefkinder und wer weiß, wen sonst noch so auf dem Gewissen hat, nein! – er ist auch Vorbild für König Marke von Cornwall, den Onkel von Tristan, also dem unglücklichen Tristan aus der irischen Sage, der aus Wagners „Tristan und Isolde“ bekannt ist. Und Conomor soll eben den wohl auch auf dem Gewissen haben.

Kohlrabenschwarz: Staffel 1
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Kohlrabenschwarz: Staffel 1

Gesprochen von:Michael Kessler, Bettina Zimmermann, Bettina Lamprecht, Jürgen Tonkel, Götz Otto
Spieldauer:8:26
Typ:Ungekürztes Hörspiel

Aber um dessen Geschichte soll es hier gar nicht gehen, die ist nämlich viel zu verwickelt und verwinkelt, sondern um die von Gilles de Rais. Dessen Geschichte macht nämlich einen tollen Bogen zurück zur Handlung der neuen Audible Original Hörspielserie Kohlrabenschwarz. In der Serie kommt es in rasender Schnelligkeit zur Entführung diverser ungezogener Kinder und Jugendlicher – und in Nullkommanix landen diese auf dem Speiseplan eines üblen schwarzgewandeten Bösewichts. Allein da hört die Parallele auf, bei den Kindern. Denn von schwarzen Klamotten steht nichts in den Geschichtsbüchern. Graf Gilles de Montmorency-Laval, Baron de Rais wurde um 1405 in Frankreich geboren, bei Angers. Seine Lebensgeschichte ist wohl eine der Erstaunlichsten um einen besonders hohen Aufstieg und besonders tiefen Fall. Gilles de Rais war ein gefeierter Heerführer im Hundertjährigen Krieg, ein Kampfgefährte Jeanne D’Arcs. Alchimist. Und der größte Serienkiller in der Geschichte nicht nur Frankreichs, sondern – überhaupt.

In sein Leben startete Gilles als einer der reichsten Männer Frankreichs. Doch nachdem ihm mit dem Tod Jeanne d’Arcs auf dem Scheiterhaufen irgendwie der Sinn im Leben (Krieg!!) abhanden gekommen zu sein schien, widmete er sich den schönen Künsten. Er pflegte selbst zahlreiche Talente, war im Zeichnen nicht unbegabt und engagierte sich leidenschaftlich für das Theater. Dagegen spricht im Prinzip ja auch nichts: er förderte Kunst, Literatur und Musik und zahlte Unsummen für einen gewaltigen Hofstaat, der ihn bei seinen Vergnügungen nach Kräften unterstützte. Nur waren seine Mittel dann eben doch nicht ganz so unerschöpflich, denn nach und nach musste er Ländereien und Besitz verkaufen, um seinen großspurigen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Und da das alles einleuchtenderweise ja auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war, wandte er sich der Alchimie zu. Das kostete natürlich auch wieder, Geisterbeschwörer wollen ja auch leben. Und dann die ganzen kirchlichen Messen, die er in seinem Namen ausrichten ließ, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, denn das Ding mit der Alchimie war im Sinne der Bibel ja auch nicht so ganz koscher. Um es kurz zumachen: Mit dem Ziel, mithilfe der schwarzen Künste seinen Reichtum wiederzugewinnen, soll er mehr als 140 Kinder, die meisten unter ihnen Jungen, entführt, gefoltert und getötet haben.

Obwohl es im Prinzip wohl alle wussten, flog der fromme Mann jedoch erst auf, als er sich offen gegen einen Priester wandte. Das war der Kirche dann wohl doch zuviel des Guten, äh Bösen, verschwundene Kinder hin oder her. Unter hochnotpeinlicher Befragung wurde ihm ein vollumfängliches Geständnis abgerungen und Gilles de Rais schließlich zusammen mit zwei seiner Komplizen im Oktober 1440 durch Erhängen hingerichtet. Neben dem Tod Jeanne d’Arcs war der Prozess um den Serienkiller einer der berühmtesten und meistbeachteten der französischen Geschichte.

Auch wenn bis heute die Prozessakten in den Nationalbibliotheken von Paris und Nantes aufbewahrt werden, bleiben doch noch so einige Fragen offen: zum Beispiel, welches finanzielle Interesse Rais’ vermeintlicher best Buddy und Waffenbruder Herzog Johann VI. an seinem Tod verfolgte. Wurde hier unter Umständen eine Geschichte vorgeschoben, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen – ganz genau so wie bei Hans und Grete, denen es um die Lebkuchenrezeptur der Schraderin ging? (Ach nee, die war ja wirklich erfunden, die Geschichte ...) Oder warum der berüchtigte Nekromant Francesco Prelati so völlig ungeschoren mit dem Leben davonkam (wie so einige andere Mittäter auch)? Übrigens wird gemunkelt, dass Letzterer ein Liebhaber Gilles de Rais gewesen sein soll. Was aus ihm wurde, wann er starb: es wird wohl auch dieser Teil der Geschichte für immer im Dunkeln bleiben, im Dunkel der finstersten schwarzen Magie eines Mannes, der behauptete, die Toten beschwören zu können ... – denn wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er wohl noch heute!

Die Geisterseher: Ein unheimliches Hörspiel um die Brüder Grimm
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Die Geisterseher: Ein unheimliches Hörspiel um die Brüder Grimm

Geschrieben von:Kai Meyer
Gesprochen von:Matthias Habich, Andreas Fröhlich, Marius Clarén, Markus Pfeiffer, Hasso Zorn, Gerlach Fiedler
Spieldauer:4:47
Typ:Ungekürztes Hörspiel

Disclaimer: Dieser Beitrag wurde zu weiten Teilen mit Hilfe von Wikipedia recherchiert, der Enzyklopädie des freien Wissens. Für den Wahrheitsgehalt dieser oder jener Überlieferung übernimmt die Autorin keinerlei Gewähr.

Tommy Krappweis
Erforscht: Was Märchen mit Wirklichkeit verbindet

Märchen sind Geschichten für Kinder? Weit gefehlt, denn manche sind ganz schön düster. Plots und handelnde Personen wirken dabei oft schablonenhaft, wie Musterbögen für gesellschaftliche Regelwerke, die richtig und falsch, gut und böse unterscheiden. Aber das ist noch nicht alles, wie die beiden Psychologen Dieter Frey und Nadja Bürgle wissen.