Audible

Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination

Von: Gast
14.03.2013

Henning Koonert hat sich für uns einem wahren Sci-Fi-Phänomen zugewendet: Star Trek. Als Mitherausgeber des TrekZone Network, dem größten “Star Trek”-Fan-Portal im deutschsprachigen Raum, ist er für diesen Beitrag genau der Richtige. Auf seiner Seite findet ihr täglich News und Infos rund um “Star Trek”, Science-Fiction, Astronomie und Raumfahrt. In der Literatur-Ecke des TZN findet man viele Rezensionen zu Romanen und Comics aus dem phantastischen Genre.

Nein, in diesen Zeilen soll es nicht etwa um einen Baukasten gehen, sondern um eine der bekanntesten Science-Fiction-Reihen und ihre Fans. In diesem Frühjahr kommt Star Trek Into Darkness, der jüngste Ableger dieser Idee, groß als Blockbuster beworben in die Kinos.

UMUK Wer sich im Star Trek-Universum schon auskennt, weiß, dass das Mantra “Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination” (englisch: Infinite diversity in infinite combinations) ein Grundpfeiler der Lebensanschauung von Mr. Spocks Vulkaniern ist und die unermessliche Anzahl der Variablen im Universum preist. Ausgedacht hat sich den Slogan “Star Trek”-Schöpfer Gene Roddenberry in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts, und dann hat er schnell ein Logo dazu entwerfen lassen, das sich toll an die Anhänger seiner Serie verkaufen ließ.

Für seinen ersten Merchandise-Artikel hätte sich der umtriebige TV-Produzent kaum etwas aussuchen können, das sein Publikum besser annehmen würde - zumindest der Teil, der “Star Trek” nicht nur wegen der bunten Farben, der Sci-Fi-Szenerie oder der Action schaute. Diejenigen, die nach so etwas wie einer Botschaft suchten, fanden in Roddenberrys Gedankenwelt die Idee, dass etwas, nur weil es anders ist, nicht gleicht schlecht zu heißen ist, dass Vielfalt eine Bereicherung sein kann.

Star Trek - Vorbild für Diversity Natürlich bedeutete das nun nicht, dass Captain Kirks Besatzung jede Woche eine Stunde lang im Fernsehen zusammen mit den Klingonen und Romulanern Tee trinken und Blumenkränze flechten sollte, die man sich kurz vor dem Abspann gegenseitig ins Haar bindet. Action, Konflikte und Schießereien gab es genug - sie wurden aber in der Regel von außen an die Enterprise-Besatzung herangetragen.

In Zeiten von kaltem Krieg, Rassentrennung und klar verteilten Geschlechterrollen zeigte “Star Trek” eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, in der ein Navigator mit dickem russischem Akzent so selbstverständlich respektierter Teil der Crew war  wie eine alleinstehende, dunkelhäutige Frau als Abteilungsleiterin  und der stellvertretende Chef mit Migrationshintergrund.

[caption id=“attachment_21059” align=“alignleft” width=“175” caption=“Mr Spock-Darsteller Leonard Nimoy mit dem Vulkanier-Gruß, Bild © Gage Skidmore”][/caption]

Das amerikanische “e pluribus unum”, die sich auf Vielfalt stützende Einheit, trug der Amerikaner Roddenberry hinaus ins All, dorthin “wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist”. Da sollten seine Helden nicht erobern oder Krieg führen, sondern “fremde Welten, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen entdecken” - und das nicht voller Angst und Scheu, sondern bitteschön auch noch “mutig”, wie es im Vorspann der ursprünglichen Serie und dem in Deutschland äußerst beliebten Ableger The Next Generation heißt.

Dem Neuen, zunächst Fremden aufgeschlossen begegnen, Unterschiede als Bereicherung wahrnehmen, Vielfalt würdigen - nach diesem UMUK-Prinzip ist auch “Star Trek” selbst immer wieder in neuer Form entstanden: als Serie auf einem Raumschiff, dann in einer neuen Zeit, später auf einer Raumstation, danach in unbekanntem Gebiet, schließlich als Prequel näher an unserer Gegenwart und zuletzt als Neustart im Kino.

Am neuen Film scheiden sich jetzt schon die Geister Gerade an dieser jüngsten Auflage, die unter der Federführung vom momentan in Hollywood als Wunderknaben verehrten J. J. Abrams entsteht, scheiden sich nun die Meinungen derer, die durch eine der früheren “Star Trek”-Inkarnationen zu Fans wurden. Ein Teil hält Abrams’ ersten “Star Trek”-Film aus dem Jahr 2009 für eine begeisternde, moderne Interpretation des “Star Trek”-Stoffs; eine andere Gruppe erkennt darin nicht mehr “ihr” “Star Trek” wieder. Zweifelsohne hat das auch damit zu tun, dass der Streifen als gewaltiger Sommer-Action-Kinokracher sehr gelungen ist, aber nichts zu bieten hatte für den Teil der Fans, der von “Star Trek” eine Geschichte mit einer Botschaft als Kommentar auf unsere Gegenwart erwartet. Manche kanzeln gar den nächsten Film schon ab, bevor er überhaupt im Kino zu sehen ist.

Das Schöne an einem Universum mit unendlichen Möglichkeiten in unendlicher Kombination ist, dass es für jeden etwas bereit hält. Man muss nicht alles mögen, was einem da begegnet, aber eine Vorverurteilung passt so gar nicht zu dem Ideal, das viele Fans an ihrem “Star Trek” hochhalten. So bin ich gespannt auf Anfang Mai, wenn Kirk & Co. zu einem neuen Kino-Abenteuer aufbrechen. Ob es dem gerecht wird, was ich an “Star Trek” schätze, das entscheide ich dann hinterher.

Unsere Empfehlung: Abonniert jetzt den RSS-Feed SciFi, damit ihr keinen Artikel verpasst.