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Viel singen, trinken und die Klappe halten – Stimm-Experten über Heiserkeit und Stimmverlust

29.05.2013

Wenn statt Worten nur noch ein raues Krächzen aus dem eigenen Rachen kommt, ist das für jeden Betroffenen eine unangenehme Situation. Bei Halsschmerzen und Heiserkeit ist es das Beste, die eigene Stimme erst einmal zu schonen. Doch gerade das kann unterschiedlich schwer sein. Was machen Menschen, die beruflich von ihrer Stimme leben? Haben sie eine Geheimwaffe gegen Stimmverlust und was machen sie, wenn die Stimme versagt?

„Kehlkopf und Stimmbänder entzündet“. Postet Rijke Stanze bei Facebook. „Anrufe können somit erstmal nicht beantwortet werden“, geht ihr Status-Update weiter. In den Kommentaren sammeln sich Beileidsbekundungen und Gute-Besserungswünsche. Mit der Stimme ist es wie mit so vielem: Wenn sie weg ist, merkt man deutlich, wie sehr man sie braucht. Was meistens mit Schluckbeschwerden anfängt, endet nicht selten damit, dass man keinen Ton mehr herausbekommt.

In Rikjes Fall ist das besonders ungünstig. „Dann kannst du ja gar nicht auftreten“ steht in einem der Kommentare. Rikje Stanze ist Poetry Slammerin. Sie trägt ihre selbstverfassten Texte auf der Bühne vor. Ohne Stimme wird das tatsächlich schwierig.

„Reden ist mein größtes Hobby und ich habe es zudem zu meinem Beruf gemacht. Ohne Stimme, keine Kohle.“ Erst hat Rikje es mit Flüstern versucht. „Das habe ich schnell aufgegeben. Versteht keiner.“ Dann mussten Hände, Füße und die Mimik herhalten. Die komischen Blicke nahm sie in Kauf. „Der Knaller war, als eine Dame mit russischem Akzent in der Apotheke plötzlich vor mir langsamer und deutlicher sprach, weil sie wohl dachte, dass ich „nix verstehen“. Eigentlich ist das ein Zeichen dafür, dass jedes Kind von Geburt an, neben der verbalen Sprache auch die Gebärdensprache lernen sollte.“

Gebärdensprache würde Armin Himmelrath bei seinem Beruf nicht weiterhelfen. Er ist Radiomoderator und lebt damit ebenfalls von seiner Stimme. „Die wird aber eben auch manchmal krank. Da kann man dann nichts machen, außer sie einfach zu schonen.“ Armin ist da ganz pragmatisch. Er lehnte auch ab, als eine Versicherung ihm anbot seine Stimmbänder zu versichern. Dafür schwört er auf Emser-Lutschpastillen. Die hat er immer dabei. „Man kann die auch gut in Milch auflösen“, rät er. Darüber hinaus findet Armin am Kranksein sogar etwas Postives: „Das Schöne ist, wenn die Stimme ein paar Tage nicht im Einsatz ist, klingt die plötzlich viel tiefer und rauchiger. Da habe ich mich schon mit vielen Kollegen drüber unterhalten. Leider pegelt sie sich dann wieder ein“, sagt er mit leichtem Bedauern in der Stimme.

„Beim Singen wird die Stimme noch mal ganz anders gefordert.“ Auch Armin benutzt seine Stimme auf der Bühne, als Schauspieler und Musical-Darsteller bei der Rocky Horror Picture Show. „Es ist wichtig, die Stimme aufzuwärmen. Gerade im Theater gibt es sehr viele gute Aufwärmspiele.“

Davon kann auch Andreas Frömmel ein Lied singen. Er ist nebenamtlicher Kirchenmusiker und braucht seine Stimme für die Chorprobe und für diverse liturgische Gesänge während des Gottesdienstes. Auch bei seinem Hauptberuf ist eine laute Stimme von Vorteil: „Ohne Stimme ist man als Lehrer recht aufgeschmissen.“ Und die Kommunikation mit dem Smartphone ist im Unterricht verboten.

„Ich laufe immer mit meiner Tee-Thermoskanne durch die Schule.“ Andreas Frömmels Tipp zur Stimmpflege ist: „Viel trinken und den Stimmapparat möglichst feucht halten.“ Die Thermoskanne ist so auf den Schulfluren schon zu seinem Erkennungszeichen geworden. „Viel singen“, ist ein weiterer Tipp. „Auch Stimmbänder sind Muskeln, die man trainieren muss. Von nix kommt nix.“

Tipps gegen Stimmverlust sind also: Emser Lutschpastillen (im Notfall in Milch auflösen), viel trinken, viel singen und die Stimmbänder trainieren. „Ich mach das durch mein tägliches Stimmen-Boot-Camp“, erzählt Rikje.

Armin machte im Studio des WDRs die Erfahrung, was passiert, wenn die Stimmbänder plötzlich versagen: „Ich war als Interviewgast da und man hatte mir kein Wasser hingestellt und meine Stimme wurde immer höher und piepsiger. Die Moderatorin hat sich nur schlapp gelacht über meinen Frosch im Hals“, erzählt er. Wenn die Stimme plötzlich versagt, manövriert man sich gerne in peinliche Situationen. Das geht aber auch anders herum.

„Ich musste mal während eines intimen Beisammenseins pupsen“, erzählt Rikje. Da hat es ihr dann auch ohne Stimmbandentzündung die Stimme verschlagen. Aber das ist eine andere Geschichte.


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