Audible

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (1)

21.05.2013

„Du hast aber eine schöne Stimme!“ In drei Artikeln erklären wir, wie man daraus einen Beruf machen kann. Lies jetzt Teil 1.

Der Gedanke liegt eigentlich ganz nah. Man liest gerne und viel, und immer wieder bekommt man das wunderbare Kompliment: „Du hast aber eine schöne Stimme!“ Jetzt möchte man gerne mehr daraus machen. Für viele ist der Gedanke Hörbuchsprecher zu werden daher ein Traum. Doch wie geht das eigentlich? Welche Schritte sind dazu notwendig und muss man eine schauspielerische Ausbildung haben, um Sprecher zu werden?

wie-wird-man-eigentlich-sprecherin-1_Hauptbild Franziska Franziska R. übt für ihre erste Leseprobe © Gabriele Reis

Alle Beiträge dieser Reihe findet hier hier:

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (2)

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (3)

Die erste Nachricht ist eine gute Nachricht!

Nein, man muss nicht zwingend Schauspieler sein, um Hörbuchsprecher oder Hörbuchsprecherin zu werden. Es gibt durchaus Quereinsteiger, wie zum Beispiel Dietmar Wunder oder Uve Teschner, die fantastische Sprecher wurden, nachdem sie zunächst anderen Berufen nachgingen. Doch eins ist sicher: Allein eine schöne Stimme und viel Freude am Lesen reichen leider noch nicht aus, um in das Profigeschäft einzusteigen.

Erste Schritte auf dem Weg in den Sprecherberuf

Wir wollen es einmal genau wissen und treffen Franziska. Sie hat gerade ihren Master in Literatur- und Medienwissenschaften abgeschlossen und arbeitete während ihres Studiums regelmäßig für einen Uni-Radiosender. Franziska liebt es, mit ihrer Stimme zu arbeiten und sie bekommt immer wieder Komplimente dafür. Das machte Franziska Mut, denn außerdem ist sie eine leidenschaftliche Leserin. So entwickelte sich ihr Traum, Hörbuchsprecherin zu werden. Jetzt will Franziska die ersten Schritte wagen, um professionelle Sprecherin zu werden und wir begleiten sie dabei. Zuerst hört sich Franziska viele weibliche Hörproben verschiedener Hörbücher an. Vor allem interessieren sie die Genres Historische Romane und Fantasy. wie-wird-man-eigentlich-sprecherin-1_Franziska-Tonbearbeitung groß

Was macht professionelles Sprechen aus? Genaues Zuhören hilft!

Während Franziska sich die Hörproben online anhört, versucht sie einmal ganz genau darauf zu achten, wie die Intonation der Sprecherinnen ist und wo die Hauptbetonungen in den Sätzen liegen. „Zunächst klingt das alles ganz einfach“, sagt Franziska, „doch wenn ich ein paar Sätze des Textes notiere und dann mitspreche, gelingt es mir nur teilweise, die angenehme Erzählweise der Sprecherin zu imitieren. Die Profisprecherin betont ganz anders, deutlich weniger, als ich es instinktiv machen würde.“

Erste eigene Hörproben sind leider ernüchternder als man vermutet.

Franziska steht vor einem Rätsel. Irgendwas ist an ihrer eigenen Erzählweise anders, doch was? Jetzt möchte sie ihre eigene Stimme einmal genauer unter die Lupe nehmen. Dazu nimmt sie die ersten Seiten einer spannenden Geschichte, die sie mag, und beginnt, laut zu lesen. Doch schon bei der ersten Buchseite merkt sie, dass ihre Stimme ganz anders klingt als die Hörproben der Profis. Als Franziska nach einigem Proben auf Aufnahme klickt, wird ihr Mund plötzlich ganz trocken. Sie kann die „Schmatzer“ auf ihrer ersten Hörprobe ganz deutlich hören. Außerdem bemerkt Franziska, dass sie entweder zu schnell oder zu langsam liest und mit der richtigen Betonung ist es auch so eine Sache.

wie-wird-man-eigentlich-sprecherin-1_Franziska Aufnahme-Hörprobe groß Dabei ist Franziska wirklich eine versierte Leserin. Der Unterschied zu einem Profisprecher ist dennoch riesengroß. „Die professionellen Sprecherinnen variieren in der Tonlage und auch mit der Kraft, die sie zum Sprechen nutzen”, bemerkt Franziska. “Ich versuche zwar ein Muster darin zu erkennen, kann aber keines finden.“ Jetzt, wo sie sich genauer mit den Profistimmen und ihrer eigenen Stimme beschäftigt, wird ihr der Unterschied immer stärker bewusst. „Es ist unglaublich“, stellt sie anerkennend fest. „Mir selbst geht viel schneller die Puste aus. Das hätte ich nie gedacht!“

Ein Sprechtraining unter professioneller Anleitung ist unverzichtbar!

Ein Hörbuchsprecher muss in seinem Joballtag mühelos bis zu 6 oder sogar 7 Stunden am Tag vor dem Mikrofon lesen können, und das tagelang hintereinander. „Es hat mit meiner Atmung zu tun, dass meine Stimme schnell ermüdet”, überlegt Franziska. “Aber was genau ich anders machen muss, das weiß ich leider nicht.“ Nach zwei Wochen lautem Lesetraining beschließt Franziska, eine neue Hörprobe aufzunehmen. Diese Hörprobe möchte sie einem Sprech-Coach vorstellen. Sie benötigt eine professionelle Einschätzung, um weiter an ihrer Stimme arbeiten zu können. Franziska hat recht: Bevor man eine Hörprobe für eine Bewerbung verschickt, sollte man in jedem Fall einen Profi zurate ziehen. Ein Profi erkennt nun mal sofort, ob er eine geschulte Stimme hört oder nicht. Daher sollte man diese wichtigen Schritte auf keinen Fall vor einer Bewerbung auslassen.

Unsere Tipps für den ersten Einstieg in das professionelle Sprechen:

  • Lest regelmäßig auch längere Zeit laut. Hört euch gezielt die Profis an und findet Unterschiede zu eurem Sprechen.

  • Richtiges Sprechen funktioniert nur mit richtiger Atmung. Ein Sprechtrainer zeigt euch, wie das geht.

  • Bewerbt euch nicht ohne die Einschätzung eines Profis bei Sprechagenturen oder Hörbuchstudios.

  • Habt Geduld mit euch selbst! Jede Stimme kann trainiert werden. Doch nur eine trainierte Stimme wird es auf dem professionellen Markt schaffen!

Franziska macht sich jetzt auf dem Weg zu einer professionellen Sprechschule, eine sehr gute Idee! Wir begleiten sie dabei und werden euch bald Tipps geben, worauf ihr bei der Suche nach einem guten Sprechtrainer achten solltet und mit welchem Aufwand ihr für eine gute Sprecher-Ausbildung rechnen müsst.

Keinen Artikel verpassen? Dann abonniere jetzt den RSS Feed des Hörbücher-Blogs!


Alle Artikel über: Sprecher