Audible

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (2)

28.05.2013

Vom Hörbuch hören zum Hörbuch sprechen - so klappt es auch für dich. Lies Teil 2 unserer Artikelreihe mit Schritt-für-Schritt-Anleitung…

Wir erklären euch in einer dreiteiligen Artikelserie, wie ihr vom Höebuchhörer zum Hörbuchsprecher werdet…

Franziska-im-Studio neu 600 2

Franziska R. beim Üben im Tonstudio© Gabriele Reis

Alle Beiträge dieser Reihe findet ihr hier:

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (1)

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (3)

Welche Sprechausbildung ist die richtige?

Für ein grundsätzliches Sprechtraining kann zunächst ein Rhetorikkurs genau das Richtige sein. So einen Kurs gibt es in jeder Volkshochschule. Er kostet nicht viel und man beginnt, sich über die eigene Stimme, die Atemtechnik und die Sprechhaltung unter professioneller Anleitung Gedanken zu machen. Übrigens sind solche Kurse ganz allgemein sehr hilfreich, wenn man viel mit seiner Stimme arbeitet, wie es zum Beispiel Lehrer, Journalisten oder Menschen tun, die häufig laut und lange vor anderen Menschen sprechen müssen.

Wenn man sich seiner Sache schon sehr sicher ist und ganz gezielt auf professionelles Sprechen hinarbeiten möchte, wird es etwas teurer. Medienschulen bieten Sprechkurse an, die explizit auf das Mikrofonsprechen ausgerichtet sind. So zum Beispiel die Medienakademie, die ARD.ZDF Medienakademie oder die Deutsche Pop, um nur drei unter vielen Institutionen zu nennen. Die Kosten für die Ausbildung trägt man in der Regel selbst, daher sollte man sich genau über das Angebot, die Dozenten und die Lehrinhalte informieren. Grundsätzlich sollte man bei Weiterbildungen im Bereich Sprechen immer im Auge behalten, dass eine geschulte Stimme nicht automatisch der Einstieg in den Markt professioneller Sprecher ist. Um in dieser Branche tätig zu sein, muss man sich auch nach einer Ausbildung aktiv und ausdauernd bewerben. Ein langer Atmen ist also in jedem Fall sehr wichtig.

Wie findet ihr einen persönlichen Sprech-Coach?

Um die Stimme gezielt ausbilden zu lassen, kann man sich auch einen persönlichen Sprech-Trainer suchen. Wer für euch der/die Richtige ist, könnt nur ihr selbst entscheiden. Es gibt Atem-, Stimm- und Sprechlehrer, Sprech-Trainer oder Sprech-Coaches und auch Schauspiel- oder Gesangs-Dozenten, die euch unterrichten können. Franziska sieht sich zunächst die Homepages verschiedener Sprechtrainerinnen an und ruft dann jede von ihnen an, um im persönlichen Gespräch einen Eindruck zu bekommen. Sie erklärt, dass sie sich gezielt auf das Hörbuchsprechen ausbilden lassen möchte und stellt konkrete Fragen zum Unterricht. Eine Probestunde oder ein intensives Erstgespräch mit Einschätzung der Stimme und einem Angebot für die Ausbildung sollte übrigens immer stattfinden. Diese Stunde ist nicht kostenlos, doch häufig etwas preisreduziert.

Hauptsache ihr werdet aktiv!

Lasst euch Zeit bei der Suche nach einem Sprechtrainer und führt mehrere persönliche Gespräche, bevor ihr euch entscheidet. Dass ein Trainer gut zu euch passt, merkt ihr daran, dass ihr seine Methodik auf Anhieb gut versteht. Schon bei der Probestunde spürt ihr, dass sich etwas bei euch tut. Ihr solltet euren Sprechtrainer/eure Sprechtrainerin sympathisch finden. Es ist eine sehr persönliche Arbeit an und mit euch selbst, da gibt es keinen Raum für Antipathien. Eine Einzelstunde bei einem Sprechtrainer kostet im Augenblick etwa 60 €. Empfehlenswert ist zunächst 3 Monate lang wöchentlich eine Stunde Unterricht zu nehmen und intensiv an eurer Stimme zu Hause zu arbeiten. Nach ca 10-12 Einzelstunden kann ein Wechsel zu einem anderen Sprechtrainer stattfinden, da euch ein ergänzender Ansatz innerhalb eurer Ausbildung gut tun wird.

im-Gespräch 600 2 Sprechtrainerin Katharina Koschny erklärt Franziska erste Grundlagen zur Sprechtechnik © Gabriele Reis

Wir begleiten Franziska zu einem Informationsgespräch in der Akademie für Professionelles Sprechen in Berlin, wo wir Katharina Koschny treffen. Sie ist bereits seit über 30 Jahren in der Sprecher-Branche tätig und weiß ganz genau, worauf es in der Ausbildung ankommt. Katharina empfängt uns in einem hellen und freundlichen Seminarraum. Hier gibt sie Kurse für kleine Gruppen in Mikrofonsprechen und dienstleistendem Sprechen, wie sie es nennt. Zwei weitere Dozenten unterrichten Synchronsprechen und machen Stimm-Coaching. Um ihren Studenten einen schnelleren Zugang zum professionellen Sprechen und ebenso zum besseren Hören zu ermöglichen, hat Katharina ein sehr strukturiertes Lehr- und Lernsystem entwickelt. “Sprechen ist etwas Ganzheitliches. Es hat alles mit unseren Gefühlen zu tun und mit dem Gefühl, das wir für unseren Körper haben”, erklärt sie. Dann schlägt sie Franziska ein paar Übungen zum Nachahmen vor. Es funktioniert! Franziska versteht nach diesen Übungen schon etwas besser, worauf es beim Sprechen eigentlich ankommt, worauf man achten muss.

Erst Fühlen, dann sprechen!

Franziska Katharina Original 2 Es ist wichtig, Sprachrüme im körper zu entspannen © Gabriele Reis

“Es gibt verschiedene Sprachräume im Körper und manche davon sind zunächst verspannt”, erklärt Katharina. “Wenn wir uns diese Sprachräume bewusst machen, dann passieren manchmal Dinge, mit denen die Kursteilnehmer nicht gerechnet haben.” “Was meinst du damit?”, hakt Franziska nach. “Es kommen Gefühle hoch. Und nicht immer sind das nur gute Gefühle, manchmal sind es auch welche, die uns innerlich blockieren und uns nicht frei sprechen lassen. Doch es ist wichtig, dass wir diese Gefühle zulassen, um weiter an uns zu arbeiten. Hier liegen einige Hürden, warum manche die Ausbildung abbrechen.”

Franziska hört gebannt zu. Sie bittet Katharina noch um einige Tipps. Was sollte sie als Erstes tun, um Hörbuchsprecherin zu werden? „Ich denke, man muss diesen Beruf und diese Arbeit wirklich lieben, sonst wird es schwer”, rät Katharina. “Ich erlebe immer wieder, dass Menschen möglichst schnell ausgebildet werden wollen, um dann möglichst schnell irgendwo mit ihrer Stimme Geld zu verdienen, doch leider funktioniert das so nicht. Man muss immer den Willen haben, weiter zu lernen – es ist niemals abgeschlossen. Auch ich lerne nach über 30 Jahren Berufserfahrung immer wieder neu dazu und das mag ich auch heute noch!“ Zum Schluss unseres Besuches darf Franziska noch einen Blick ins Studio werfen, dem Ort, an dem ein professioneller Sprecher seine Arbeit macht. “Am Liebsten würde ich sofort loslegen”, lacht Franziska, ihre Motivation ist stark spürbar.

Jetzt wird Franziska bald mit ihrer Ausbildung beginnen. Wir werden in einigen Wochen bei Franziska vorbeischauen und nachfragen, was sich an ihrer Stimme getan hat.

Unsere Tipps für die Suche nach einer Ausbildung für eure Stimme:

  • Nach wie vor: Lest regelmäßig - am besten täglich - mindestens 30 Minuten laut vor.

  • Für grundsätzliche Verbesserungen der Atemtechnik und Stimme ist zunächst auch ein Kurs an der Volkshochschule oder an einer ähnlichen Einrichtung empfehlenswert.

  • Für gezieltes Mikrofonsprechen gibt es Kurse an unterschiedlichen Schulen. Erkundigt euch genau über das Angebot!

  • Auch wenn ihr schnell Fortschritte macht, ist der Weg zum professionellen Sprechen nicht ganz einfach. Macht euch darauf gefasst, dass ihr euch ausdauernd bewerben müsst.

  • Vergesst nicht den Spaß am Sprechen! Also lasst eure Ziele nicht aus den Augen.

Im dritten Teil unserer Reihe Wie wird man eigentlich SprecherIn? stellen wir euch Sprecher vor, die es auch als Quereinsteiger geschafft haben und zeigen euch die DOs und DON’Ts eurer ersten richtigen Bewerbung.


Alle Artikel über: Sprecher