Audible

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (3)

05.06.2013

Bald geschafft! Hier ist Teil 3 unserer Artikelreihe, die erklärt, wie auch du bald Bestseller-Sprecher wirst.

wie-wird-man-eigentlich-sprecherin-3_Studiobild ©-Tsian-Fotolia.com

Volle Konzentration vor der Aufnahme

Alle Beiträge dieser Reihe findet hier hier:

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (1)

Wie wird man eigentlich SprecherIn? (2)

In letzter Zeit habt ihr uns Fragen gestellt wie: „Was ist mit dem schauspielerischen Talent beim Hörbuchsprechen, ist das nicht das Wichtigste?“ „Kann wirklich jeder mit einer schönen Stimme HörbuchsprecherIn werden?“ „Ist der Tipp ernst gemeint, man sollte erst mal einen Volkshochschulkurs besuchen?“ Wir möchten in unserem letzten Artikel der Reihe Wie wird man eigentlich SprecherIn? auf eure Fragen näher eingehen und euch darüber hinaus Tipps und Hinweise für die Branche geben.

Hörbuchsprechen ist NICHT einfach!

Unsere Erfahrungen mit vielen Sprecherinnen und Sprechern haben uns über diese Erkenntnis hinaus vieles gelehrt. Sehr viele Sprecher und Sprecherinnen haben eine Schauspielausbildung und auch wir glauben, dass es in jedem Fall wichtig ist, einige Fertigkeiten aus der Schauspielkunst zu beherrschen, um Hörbücher gut sprechen zu können. Beim Hörbuchsprechen ist das Spielen jedoch deutlich weniger im Vordergrund als offenbar vermutet wird. Die meisten Hörbücher werden vor allem erzählt. Es kommen viele Faktoren zusammen, die in der Tat wichtiger sind als das Schauspielen, wie zum Beispiel eine angenehme Dynamik oder die richtige Betonung beim Lesen. Das Genre des Hörbuchs spielt außerdem eine große Rolle. Ein Sachbuch zu lesen ist eine ganz andere Sache als einen Thriller. Und ein Thriller wiederum erfordert eine andere Sprechhaltung als ein Roman, Fantasy oder eine erotische Geschichte. Das dienstleistungsorientierte Sprechen erfordert außerdem viel Disziplin und Offenheit. Leider spricht man in den seltensten Fällen Texte, die einen auf Anhieb persönlich ganz besonders interessieren. Es gehört zur Sprecherkunst, sich für möglichst alle Inhalte interessieren zu können und diese Inhalte entsprechend ihrer Gattung gut zu Gehör zu bringen.

So mancher Hörbuchsprecher ist ein Quereinsteiger

Wenn auch die Mehrzahl z. B. der Audible-Sprecher und -Sprecherinnen SchauspielerInnen sind, gibt es dennoch einige Ausnahmen. Uve Teschner zum Beispiel hat auf Umwegen zu diesem Beruf gefunden, wie er uns im Interview erzählt. Dietmar Wunder begann zunächst eine Lehre als Optiker, bevor er privat Schauspielunterricht nahm. Durch das Synchronsprechen entwickelte sich sein Interesse am Arbeiten mit der Stimme und mittlerweile gibt Dietmar auch selbst Tipps, z.B. mit der Besser Sprechen App. Charles Rettinghaus war gelernter Brückenbauer, bevor er Schauspieler wurde und Michael Hansonis ist Gitarrist und Sänger und hat erst vor einiger Zeit ein neues Solo-Album herausgebracht. In unseren Backstage-Videos erzählen euch unsere Hörbuchsprecher und Hörbuchsprecherinnen, welche Umwege sie manchmal nahmen - schaut mal rein, das ist wirklich sehr interessant!

wie-wird-man-eigentlich-sprecherin-3_Tanja-Fornaro-im-Studio Die Arbeit im Studio

Ein Einstieg in die Branche

Wer Hörbücher sprechen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Art des Sprechens, also das lange Arbeiten im Studio mit langen Texten, im Allgemeinen nicht der Einstieg in das professionelle Sprechen ist. Hörbücher zu sprechen gehört in die Königsklasse der Sprecheraufträge und es ist sehr wahrscheinlich, dass der Arbeit an einemn Hörbuch viele unterschiedliche Jobs als Sprecher vorausgingen. Stimmagenturen sind zunächst eine Einstiegsmöglichkeit, sich selbst hörbar und buchbar zu machen und sich mit seiner Stimme dem Markt zu stellen. Dazu werden Aufnahmen eurer Stimme in einer Datenbank gespeichert, die zum Beispiel für Radiowerbung, kleine Dokumentationen oder andere Jobs zurate gezogen werden. Manche Sprecher lasen zunächst regelmäßig für Blinden-Bibliotheken, um Erfahrung zu sammeln und wieder andere haben vor allem bei Radiosendern Sprecherfahrung sammeln können. Wichtig ist am Anfang: Bewerbt euch in eurer Nähe - keine Agentur in München lässt euch von Hamburg anreisen, um z.B. einen kleinen Werbesatz einzusprechen. Und in der Tat sind erste Jobs häufig wirklich nur ein paar Sätze Sprecheinsatz. Bevor ihr euch bewerbt, ist der persönliche Kontakt über das Telefon sehr zu empfehlen. Wer sich bereits mit den verschiedenen Möglichkeiten des professionellen Sprechens vertraut gemacht hat, punktet definitiv damit, dass er/sie nicht vorgibt, schlichtweg alles zu können. Indem ihr eure Stärken beim Sprechen einschätzen könnt und wisst, was euch nicht so liegt, zeigt ihr, dass ihr euch mit den verschiedenen Facetten des Berufes auseinandergesetzt habt und dass ihr lernbereit seid.

Unsere Tipps für Bewerbungen in der Sprecherbranche

  • Am Anfang eurer Bewerbung steht eine intensive Recherche. Was gibt es für Möglichkeiten an Sprecherjobs in eurer Nähe? Was interessiert euch wirklich?

  • Informiert euch auf der Homepage (z.B. einer Stimmagentur) ganz genau und stellt dann eure Fragen in einem persönlichen (kurzen!) Telefonat.

  • GANZ WICHTIG: Bewerbt euch nur mit qualitativ hochwertigen digitalen Hörproben. (Online bewerben, keine CDs!)

  • Wie in allen freien Berufen kommt alles auf euer persönliches Engagement an. Seid aktiv in der Kontaktsuche und konsequent in eurer Weiterbildung.

  • Dienstleistungssprechen wird euch Texte abverlangen, die euch privat vielleicht nicht so interessieren. Stellt euch diesem Markt erst dann, wenn ihr stimmlich wirklich so weit seid.

Wir teilen mit euch die Faszination am Sprecherberuf, der in den letzten Jahren durch die Vielzahl an Hörbüchern bekannter geworden ist. Die Erfahrung zeigt, dass es viele Wege gibt, um diesen Beruf zu erlernen und auszuführen. Doch eines ist besonders wichtig: man sollte bereit sein, sich für sein Ziel (langfristig!) zu engagieren und Hürden zu überwinden. Das klingt abgedroschen, trifft aber genau den Kern.

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