Audible

Winter in Maine von Gerard Donovan

Von: Gast
13.09.2011

Alex Berg, geboren 1963, hat viele Jahre als Journalistin gearbeitet, bevor sie ihre ersten Spannungsromane verfasste. Mit ihrem Thriller Machtlos gelang Alex Berg ein hoch spannender und brisanter Auftakt zu der Reihe um die Hamburger Staatsanwältin Valerie Weymann und den BND-Agenten Eric Mayer. Mehr Informationen findet ihr unter www.alex-berg.com.

Winter in Maine Autor: Gerard Donovan Sprecher: Markus Hoffmann Spieldauer: 5 Std. 24 Min.

Meine Arbeit als Autorin von politischen Thrillern, zu der gerade in meinem Genre nicht nur das Schreiben allein, sondern vor allem auch eine aufwändige Recherche gehört, lässt mir viel zu wenig Zeit zum Lesen. Deshalb höre ich inzwischen immer häufiger Hörbücher, wenn ich unterwegs bin. Mein persönliches Highlight ist Winter in Maine von Gerard Donovan, gelesen von Markus Hoffmann. Erzählt wird die berührende Geschichte des Einsiedlers und Außenseiters Julius Winsome, der nach dem Verlust seines langjährigen Begleiters, des Hundes Hobbes, Rache nimmt an den vermeintlichen Mördern des Tieres.

Die Figur des Julius Winsome hat mich sehr berührt, sie hat mich nachdenklich gestimmt und nicht losgelassen, selbst nachdem ich „Winter in Maine“ schon lange aus der Hand gelegt hatte. Als Autorin bin ich immer auf der Suche nach dem besonderen Buch, bei dessen Lektüre ich alles vergessen, komplett in ein Lese- oder Hörvergnügen eintauchen und mich einfach vorbehaltlos fallen und mitreißen lassen kann vom Sog einer Geschichte. Gerard Donovan hat das mit „Winter in Maine“ bereits von der ersten Minute an mit mir geschafft. Ich habe mit Julius Winsome in seinem Haus, jener seltsamen kleinen Hütte mitten im Wald, gesessen, habe mit ihm seine Buchrücken betrachtet und seine Musik gehört und draußen auf der Lichtung den Geräuschen des Waldes gelauscht. Ich habe die Kälte des Winters gefühlt und die Trauer, als er seinen Hund begraben musste, und ich habe seinen Zorn geteilt und ihn begleitet, als er aufgebrochen ist, um Rache zu nehmen.

Donovans Sprache geht unter die Haut, gekonnt verwebt er Vergangenheit und Gegenwart, nimmt gefangen und spricht alle Sinne an in dieser Geschichte von Verlust und Einsamkeit, die auf eine Weise eskaliert, die völlig unglaublich und gleichzeitig komplett logisch erscheint und in der das eigentlich moralisch Verwerfliche zur selbstverständlichen Notwendigkeit wird.

„Winter in Maine“ ist ein mutiger, ein konsequenter und spannender Roman, der wohltuend vom Mainstream abweicht. Markus Hoffmann ist es als Sprecher gelungen, die Stimmung und den unglaublichen Sog des Buches mit seiner Interpretation hervorragend zu transportieren.