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Wo bleibt eigentlich der blöde Prinz mit seinem scheiß Gaul?

11.06.2012

Was nutzen Beziehungsratgeber?

Wer Single-Freundinnen hat, braucht keine Feindinnen mehr… Seit ich 28 geworden bin, verging kein Geburtstag, an dem ich nicht einen Beziehungsratgeber von meinen es ach so gut wollenden Freundinnen geschenkt bekommen habe.

Beziehungsratgeber nenne ich Bücher mit dem Titel Die Kunst, den Mann fürs Leben zu finden oder Überlisten Sie ihr Beuteschema oder Bücher, deren deutsche Übersetzung des Titels so lang ist, dass sie über drei Viertel des Buchcovers reicht, wie z.B. “Warum die nettesten Männer die schrecklichsten Frauen…und die netten Frauen leer ausgehen. Kann es sein, dass Sie zu nett sind?Ne, is klar…

Schon immer habe ich mich gefragt, was diese Beziehungsratgeber bringen sollen und heute will ich endlich Antworten finden. Machen wir doch mal eine Zielgruppenanalyse – wer - außer mir – bekommt oder kauft diese Bücher? Ich glaube, es sind alles in allem beruflich erfolgreiche Frauen Anfang 30 bis Ende 40, die einen tollen Freundeskreis ihr eigen nennen können, oftmals viel reisen und ein ausgefülltes Privatleben haben. Das einzige, was fehlt, ist ein fester Freund. Aus irgendeinem Grund trifft man immer wieder die Falschen und rätselt hin und her, woran es denn liegen könnte. Frauen verbringen Stunden mit ihren Freundinnen am Telefon und analysieren ständig ihr Verhalten. Sie arbeiten an sich und suchen Antworten. Manchmal kommt dann so ein Beziehungsratgeber wie gerufen, aber ich kann nur sagen, besonders lange kann ich in dieser Art von Lektüre nicht lesen.

Der Selbstversuch

Ich sitze also hier, an einem Sonntagnachmittag und habe all die „Werke“ vor mir ausgebreitet, die sich so in den letzten Jahren angesammelt haben, habe wieder reingelesen, nachgedacht, den Kopf geschüttelt und teilweise laut gelacht. Den Männern da draußen, die sicherlich noch nie in ein solches Buch reingeschaut haben - warum auch - möchte ich ein paar Kostproben geben. Fangen wir mit dem Regelwerk an –was mir helfen soll den Mann fürs Leben zu finden. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis lässt mich schmunzeln.

Regel Nummer 1 – seinen Sie anders als alle anderen ???

Regel Nummer 3 – starren Sie die Männer nicht an und reden Sie nicht zuviel ???

Regel Nummer 7 – nehmen Sie nach Mittwoch keine Einladungen mehr für Samstagabend an ???

Regel Nummer 23 – lassen Sie sich nicht mit einem verheirateten Mann ein ???

Bei diesem Buch bin ich genau bis Regel 11 gekommen – „Beenden immer SIE das Rendevous“ – weiter konnte ich es wohl nicht ertragen.

Das Biest

In dem Buch mit dem längsten Titel geht es darum, warum Männer auf Biester stehen und warum die netten Frauen sich keinen Mann für eine längere Beziehung angeln können. Für das Buch haben die Autorinnen, Ellen Fein und Sherrie Schneider, hunderte von Männern über ihre Biest-Theorie befragt und heraus kam, dass Männer regelmäßig von geistiger Herausforderung sprachen, wenn sie eine Frau beschrieben, die es nicht nötig zu haben schien, auf den Richtigen zu warten. Das Wort Biest traf ihre Vorstellung von geistiger Herausforderung am besten – was sie sehr anziehend finden. Ich glaub, ich brech gleich zusammen - ich hoffe sehr, dass mir einer der Männer eine Gegendarstellung liefert – denn was sonst bleibt mir – als jegliche Hoffnung zu verlieren?

Die Autorinnen erklären im Vorwort ganz explizit, dass sie keiner Frau empfehlen möchten, ein Biest und damit kratzbürstig zu werden. Das Biest, von dem sie sprechen, ist sympathisch und stark. Sie gibt ihr eigenes Leben nicht auf, sie würde niemals einem Mann nachstellen oder ihm den Eindruck vermitteln, sie würde ihm aus der Hand fressen. Das Biest weiß, dass ein Mann nicht locker lässt, wenn er etwas will, und diese Beharrlichkeit bewirkt, dass er es noch dringender möchte.

Sehr interessant finde ich die praktischen Beispiele, die man sofort ausprobieren kann - learning by doing sozusagen:

“Er kommt reichlich spät zu einer Verabredung und lässt sie warten, ohne ihr Bescheid zu geben. Das nette Mädchen wartet, ruft ihn viermal auf dem Handy an und wirft ihm vor, er wisse es nicht „genug zu schätzen“. Das Biest wartet eine halbe Stunde und hat dann etwas anderes vor.”

So Männer, dann wisst ihr das also jetzt auch – nie zu spät kommen, sonst isse weg.

Der Reinfall

Bei der Widmung im Buch Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken von Barbara Pease von bin ich gerade kurz erschrocken, da diese doch von der Mutter eines Ex-Freundes von mir stammt. Da steht doch allen Ernstes „…ich hoffe, ihr könnt nach dieser Lektüre ganz „entspannt“ miteinander umgehen!“ Was heißt denn bitte entspannt? Also meiner Meinung nach haben wir das immer getan. Ich kann mich erinnern, dass ich dieses Buch im gemeinsamen Urlaub mit besagtem Ex-Freund dabei hatte und wir oft lauthals über bestimmte Ratschläge der Autoren gelacht haben. Drei Wochen nach dem Urlaub war die Beziehung vorbei, deshalb möchte ich bei diesem Buch nicht ins Detail gehen. Hier ist klar, dass es nichts geholfen hat!

Scheißkerle

Kommen wir nun zu Scheißkerle von Roman Maria Koidl und ich muss sagen, dass das der einzige der ganzen Ratgeber war, der mich nicht sofort in die Verzweiflung getrieben hat. Der Autor geht sehr schonungslos ans Eingemachte, entlarvt Methoden, Strategien und Lügen von Fremdgehern und anderen Männertypen wie dem „Ich komme gerade aus einer Beziehung Typen“ ebenso wie den „Meine Ehe ist die Hölle Mann“, die „Alle zwei Wochen Rhythmus Gestörten“, die „Bad Boys“, die „Nicht Bereit Experten“ oder die „Sexmuffel und Kuschenhasen“. Ganz ehrlich - irgendwie kannte ich fast jeden dieser Typen - ob ich ihnen nun selbst begegnet bin oder ob mir eine Freundin von einem “Experten” erzählt hat. Als ich die Beschreibung der verschiedenen Typen gelesen habe, musste ich schmunzeln und fühlte mich des Öfteren dabei ertappt, dass ich innerlich völlig zugestimmt habe, dass es einfach nicht passen konnte. Interessant fand ich aber auch das Lesezeichen im Buch. „Prinz gesucht? Persönlichkeitstest mit Unterstützung von Parship, der führenden Partneragentur.“ Gut gemacht, Marketingabteilung, kann ich da nur sagen! Wenn das nicht die Zielgruppe ist!

Fazit

Zusammenfassend bleibt mir zu sagen, dass ich mit vielen Ratgebern so gar nichts anfangen konnte. Entweder waren sie einfach nur platt oder völlig frauenverachtend. Einige fand ich aber auch sehr amüsant. Ich glaube nicht, dass es Frauen gibt, die nach der Lektüre eines solchen Ratgebers in eine Bar gehen und die komischen Tipps und Ratschläge ausprobieren, die die Autoren ihnen raten, wie z.B. “…starren Sie die Männer nicht an und reden Sie nicht zuviel!” Frauen lesen diese Bücher entweder, damit sie wissen, dass sie nicht die einzigen sind, denen es so geht oder manchmal sicher auch um sagen zu können – ja, genau so ist es  – manchmal passt es mit den Männern und Frauen eben nicht.

Jeder von uns ist wie er ist, und auch wenn es sich bescheuert anhört und man es schon tausendmal gehört hat – dann, wenn man es so gar nicht erwartet  - kommt er dann doch endlich -  der blöde Prinz auf seinem scheiß Gaul! Oder?