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Zu Besuch im Tonstudio Teil I – Voice Over mit Tanja Fornaro

04.06.2013

[caption id=“attachment_24775” align=“aligncenter” width=“600”]Tanja Fornaro im Ton-Studio ©Oliver Rohrbeck Tanja Fornaro im Ton-Studio © Oliver Rohrbeck[/caption]

 

Das Tonstudio ist nicht nur der Ort, an dem Hörbücher aufgenommen werden. Es ist der Ort, in dem man sich häufig aufhält, wenn man von Beruf SprecherIn ist. Synchronsprecher, Radiosprecher, Voice-Over-Sprecher. Die Reihe „Zu Besuch im Tonstudio“ begleitet SprecherInnen bei ihrer Arbeit und wirft einen Blick hinter den Produktionsvorhang. Heute: Voice Over mit Tanja Fornaro.

Auf den allerersten Blick ist es fast wie fernsehen. Doch dann reden auf einmal die Charaktere durcheinander. „Moment, da stimmt was nicht“, ruft der Regisseur und das Bild friert ein. „Das machen wir noch mal. Kannst du das ein bisschen schneller sprechen?“ fragt er Tanja, die auf der anderen Seite einer Scheibe sitzt, Kopfhörer auf dem Kopf und einen Stapel Papier vor sich. „Wir waren bei 14:11.“

Tanja Fornaro arbeitet als Schauspielerin und ist Sprecherin für Synchronisation, Werbung, Doku, Voice Over und Hörbuch. Bei letzterem führt sie zudem Regie. Heute sitzt sie vor einem Mikrofon im Tonstudio und macht das Voice Over für eine britische Serie. Dabei leiht sie gleich drei verschiedenen Frauen ihre Stimme. Den Text, eine Übersetzung aus dem Englischen, hat sie vorher noch nie gesehen.

Beim Voice Over geht es, im Gegensatz zur Synchronisation, nicht darum, den deutschen Text ganz genau auf die Lippenbewegungen des Originals abzustimmen. Oft sind die Originalstimmen noch leise im Hintergrund zu hören. Man kennt das aus Dokumentationen, in denen der Interviewpartner eine Fremdsprache spricht und eine deutsche Stimme drüber gelegt wird. „Das geht natürlich einfacher und schneller als bei einer Synchronisation“, erzählt Tanja. Und der Zuschauer muss keine Untertitel lesen. „Bei Serien, die im Pay-TV laufen, macht man das oft so.“ Da ist es auch gar nicht ungewöhnlich, dass mehrere Figuren von ein und derselben Sprecherin gesprochen werden. „Manchmal führe ich hier regelrecht Selbstgespräche.“

Timing ist alles Das haben Voice Over und Synchronisation gemeinsam haben. Wenn das Timing nicht stimmt, überschneiden sich die Tonspuren der einzelnen Sprecher, die Charaktere im Film reden wild durcheinander und der Zuschauer versteht gar nichts mehr. „Crosstalk“, nennt sich das im Fachjargon. Damit unter anderem das nicht passiert sitzen ein Regisseur und eine Tontechnikerin vor dem Mischpult und passen auf.

Außerdem gibt der Regisseur Tanja Anweisungen. Meistens bestehen die aus Zeitangaben für den nächsten Einsatz. „Jetzt sind wir bei Minute 38:08“ sagt er zum Beispiel und Tanja weiß sofort, welche Szene sie als nächstes einsprechen muss.

„Mach das bitte noch mal mit ein bisschen mehr Mitgefühl in der Stimme.“ Auch bei der Synchronisation gehören schauspielerische Anweisungen zum Aufgabenfeld des Regisseurs.

„Mir ist Teamwork das Wichtigste“, erzählt Tanja später. „Dass man sich bei der Arbeit untereinander gut versteht, ist echt viel wert.“  Die Stimmung ist gut im Studio. Über Fehler kann man hier lachen. „Es gibt so klassische Wörter, bei denen man sich gerne verhaspelt. Ein typischer Texthänger ist bei englischen Worten zum Beispiel das th. Das erinnert dann oft an den Loriot-Sketch mit Evilyn Herrmann.“ Sie lacht.

So wie am Film Set Szenen mehrfach gedreht werden, kommt es auch im Tonstudio vor, dass Tanja einen Satz mehrmals Mal sagen muss. Es kann auch durchaus vorkommen, dass während der Aufnahme noch am Text gearbeitet wird. Ist ein Satz zu lang oder ergibt er,  so wie er im Drehbuch steht, keinen Sinn, diskutieren Sprecherin, Regisseur und Tontechnikerin auch gemeinsam darüber, wie man das Problem lösen kann.

Ein Sprung ins kalte Wasser „Das Voice Over-Format hat mir sehr viel gebracht“, erzählt Tanja. „Ich habe, seitdem ich das mache, viel weniger Textberührungsängste. Weil man eben den Text vorher nicht kennt, wird man hier ins kalte Wasser geworfen.“ Was in der Serie passiert, kann Tanja trotzdem nachvollziehen und auch zu ihren Figuren hat sie eine Beziehung aufgebaut. „Das sind alles meine Freundinnen“, scherzt sie.

Auf die Frage, wie es ist, als Synchronsprecherin selbst synchronisierte Filme zu gucken, antwortet sie: „Komisch. Wenn man die Leute kennt, sieht man immer die Sprecher vor sich.“ Eine typische Berufskrankheit. Ihre eigene Stimme zu hören, findet Tanja dagegen nicht mehr befremdlich. „Ich merke, dass meine Stimme reift“, erzählt sie. „Wenn ich heute mit vor ein paar Jahren vergleiche, merkt man schon einen Unterschied.

Tanja hat schon vielen ihre Stimme geliehen. Vom Image-Film einer schwedischen Fitnesskette über die Schulmediathek bis hin zu den Kadashians. Als Sprecher hat man einen sehr vielseitigen Job. „Und oft sehr viel Spaß im Studio“, lacht Tanja.

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