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Zu Besuch im Tonstudio Teil III – Radio mit Miriam Wienhold

01.07.2013

Zu Besuch im Tonstudio Teil III – Radio mit Miriam Wienhold Miriam Wienhold bei einer Straßenumfrage © Insa Kohler
Im dritten Teil der Reihe “Zu Besuch im Tonstudio” sind wir bei der Entstehung eines Radiobeitrages dabei. Ein Job, der  für die Protagonistin dieser Geschichte schon lange vor ihrem Termin im Tonstudio beginnt.

Miriam Wienhold steht auf der Straße. In ihrer Hand ein Aufnahmegerät. Sie sammelt O-Töne. „Das ist meistens der erste Schritt zum fertigen Beitrag“, erklärt sie. Miriam arbeitet freiberuflich beim Radio. Sie bietet Themen an, sucht sich Interviewpartner, schreibt Manuskripte, schneidet Töne und spricht im Tonstudio ihren Sprechertext ein. Miriams Arbeit endet, wenn der fertige Beitrag im Tonstudio gespeichert wird, beginnt aber schon viel früher.

O- und A-Töne Das „O“ in O-Ton steht für „Original“. O-Töne sind ein Baustein des klassischen Radiobeitrages und bezeichnen den Sprachanteil eines Experten und Interviewpartners. Sie können aber auch aus einer Meinungsumfrage auf der Straße bestehen. Das nennt man dann Vox-Pop. „Wenn man draußen aufnimmt, hat man natürlich oft Hintergrundgeräusche dabei“, sagt Miriam. „Das passt manchmal ganz gut zur Atmosphäre. Beim Radio heißen diese Töne Atmo“, erklärt sie. Atmo-Töne sind wichtig, um in den Köpfen der Zuschauer Bilder entstehen zu lassen.

Gewollte und ungewollte Hintergrundgeräusche Für einen Beitrag zum Thema „Grenzgänger“ trifft Miriam ihren Interviewpartner deswegen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, an der Berliner Mauer. „Um uns herum rauschen Autos und Ausflugsdampfer gleichermaßen vorbei“ wird es später im Beitrag heißen. In diesem Fall sind die untermalenden Hintergrundgeräusche an der Berliner Mauer gewollt.

Sie können jedoch auch störend sein. „Das Schlimmste ist Tassengeklapper“, erklärt Miriam. „Das ist ganz furchtbar, wenn man einen Gesprächspartner im Café trifft. Der Pegel schlägt nämlich ganz schön aus, wenn man seine Tasse auf den Unterteller stellt.“ Ebenfalls wichtig bei der Gesprächsaufzeichnung ist es, sich das eigene „mhm“ abzugewöhnen, das man normalerweise macht, um seinem Gesprächspartner zu signalisieren, dass man auch zuhört. „Sonst macht man sich den O-Ton selbst kaputt oder hat beim Schneiden sehr viel Arbeit.“

Schneiden und Schreiben Das ist der nächste Schritt in Miriams Arbeitsablauf: Töne schneiden. Jeder Huster, jedes „äääh“, jeder zu laute Atmer, all das fällt der digitalen Schere zum Opfer. „Nach einer gewissen Zeit erkennt man die ääähs in der Tonspur schon ohne sie anhören zu müssen“, sagt Miriam. Als nächstes schreibt sie ein Manuskript. „Das schicke ich dann an den Sender und wenn die sagen, das ist okay so, dann geht’s ins Studio.“

Beim Schreiben darf man nicht vergessen, dass man einen Text verfasst, der gehört und nicht gelesen wird. „Also keine Schachtelsätze mit 30 Kommas, bei denen der Zuhörer abschaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Mit Manuskript und O-Tönen macht Miriam sich dann auf ins Tonstudio. Obwohl ihr Beitrag bei Deutschlandradio Wissen läuft, nimmt sie diesen bei Deutschlandradio Kultur in Berlin auf. Von dort wird das fertige Stück dann nach Köln zu DRadio Wissen geschickt. „Das Studio ist der totale Luxus,“ schwärmt Miriam. „Man bekommt dort einen Techniker zur Seite gestellt. Das sind richtig gute Leute. Die schaffen es auch aus qualitativ nicht so guten Tönen noch einen superschönen Beitrag zu zaubern.“

Im Tonstudio Bevor der Beitrag gezaubert wird, setzt sich Miriam ins Tonstudio. Sie und den Techniker trennt eine Glasscheibe, kommuniziert wird per Gegensprechanlage. Zunächst soll Miriam sich einlesen. Der Techniker pegelt die Lautstärke ein und dann kann es losgehen. Professionell liest Miriam den Sprechertext vor. Verhaspelt sie sich, fängt sie den Absatz noch einmal von vorne an. „Das macht zum einen das Schneiden einfacher und zum anderen hört sich die Stimme sonst sehr abgehackt und komisch an.“

Nachdem auch ihr Sprechertext aufgenommen ist, basteln Miriam und der Techniker den Beitrag zusammen. Sie führt dabei Regie und erklärt, wie sie sich was gedacht hat. „Ich bin total dankbar für diese Techniker“, sagt Miriam. “Aber jetzt schon geht die Entwicklung mehr und mehr da hin, dass der Autor alles selbst macht, vom Ton bis zum fertigen Beitrag.”

Studium, Campus Radio und Praktika Auch darin hat Miriam Erfahrung. Bevor sie bei DRadio Wissen landete, war sie Tutorin für ein Radioseminar an der Freien Universität Berlin. Davor studierte sie Journalistik im Nebenfach an der TU Dortmund. Dort hat sie längere Zeit beim Campus Radio Eldoradio mitgearbeitet. „Der Toaster“ heißt die Morning-Show. Über Beiträge liefern, Nachrichten verfassen und sprechen und auch mal moderieren konnte Miriam viel ausprobieren.

„Die Nachrichten haben mir eigentlich am Meisten Spaß gemacht“, verrät sie. „Aber die Beiträge auch.“ Vor dem Studium und nach dem Abitur war Miriam bei dem Lokalradiosender „Antenne Münster“.

„Ähnlich wie Bücher war Radio immer Teil meines Lebens“, sagt sie. „Das hat sich irgendwie immer wieder reingeschlichen.“ Miriam macht nicht nur gerne selbst Radio, sie ist auch eine begeisterte Hörerin. „Ich mag das Kurze und Prägnante. Und das man es schafft nur mit Stimme und Geräuschen, Bilder zu kreieren, so dass man zum Beispiel beim Hören das Gefühl bekommt, irgendwo in Sibirien zu stehen.“

Miriam steht jetzt vor dem Funkhaus in Berlin. Auf ihrem USB-Stick der fertige Beitrag. „Jetzt schicke ich noch eine Mail nach Köln und sage Bescheid, dass das Stück fertig produziert ist“, sagt sie. Für heute hat sie Feierabend. Vielleicht verbringt sie den mit Radio hören?

Miriams Beitrag von der Berliner Mauer und weitere Stücke zum Thema „Grenzgänger“ sind >>hier<< zu hören.

Hier geht’s zu den weiteren Artikeln dieser Reihe:

Zu Besuch im Tonstudio Teil I – Voice Over mit Tanja Fornaro

Zu Besuch im Tonstudio Teil II – Synchronisation mit Julia Stoepel