Zurück in die schmutzigen Zwanziger

Edin Hasanovic / Sven Krohn
13.02.19

Eine neue Audible Original-Produktion entführt in die Welt der Zwanziger Jahre. Stilecht: Für das Cover-Shooting wurden die prominenten Sprecher in den Berliner Spreegraphenstudios mit aufwendiger Lochkameratechnik in Szene gesetzt.

Die juten Sitten: Goldene Zwanziger. Dreckige Wahrheiten.

Autor:
Anna Basener
Sprecher:
Jeanette Hain, Saskia Rosendahl, Natalia Belitski, Edin Hasanovic, Ursula Werner, Leonard Scheicher
Spieldauer:
10:00 Std.

Da ist diese Frau, die lässt einen nicht mehr los, wenn sie durch den hellweißen Raum des Spreegraphenstudios in Berlin-Moabit schreitet. Sie wirkt entrückt, aus der Zeit gefallen mit ihren knallroten, perfekt frisierten Haaren und den stark geschminkten Augen, die nicht wirklich zu ihrem Gefängnisoverall passen. Sie blickt herausfordernd. Sie ist eine Diva, die weiß, was sie will.

Schauspielerin Jeanette Hain als Hedi.

Zumindest ist das ihre Rolle. Denn unter der aufsehenerregenden Perücke steckt eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen: Jeanette Hain, Spezialistin für Zwischentöne und faszinierende Frauen mit Geheimnis. Sie ist hier, um Fotos zu machen, die Lust machen sollen auf die neueste Audible Original Hörspiel-Produktion „Die juten Sitten – Goldene Zwanziger. Dreckige Wahrheiten“ aus der Feder der preisgekrönten Autorin Anna Basener. Jeanette Hain spricht Hedi, eine bekannte Schauspielerin, die im Gefängnis sitzt, weil sie einen Mord begangen haben soll. Im Gefängnis erzählt diese Hedi von ihrer Kindheit in einem Bordell der Zwanziger Jahre in Berlin, in einer wilden, verruchten Umgebung, einem rechtsfreien Raum, in dem starke Frauen kraftvoll und mit Witz ums Überleben kämpfen.

Jeanette Hain spricht die Hauptrolle, die des Mordes angeklagte glamouröse Schauspielerin Hedi und es macht ihr offensichtlich Spaß: „Du wirst von der ersten Sekunde reingezogen in eine Welt, die so satt ist, die einen so umarmt, die so prall ist, die so voll Lust ist, voll Liebe, voller Abgründe, in die mit großer Leidenschaft reingesprungen wird.“ Sie springt nicht alleine. Ebenfalls im Studio: Saskia Rosendahl als Colette, schönste Hure Berlins, Natalia Belitski als strenge Domina Natalia und Edin Hasanovic als Gigolo Fritz, Vater von Hedi.

Mit aufwendiger Kameratechnik gefilmt

Sie alle stehen vor der Kamera des Fotografen Marcus Renken. Und diese ist etwas ganz Besonderes: Mit der Lochbildkamera aus Holz entstehen Fotos, die so auch in den 1920er hätten erstellt werden können – aufgenommen unter anderem auf eloxierten Metallplatten. Diese Art Kamera kann nur fünf Fotos in der Stunde aufnehmen. Ein Aufwand, der sich lohnt. Ein Beispiel: eine Aufnahme von Edin Hasanovic, stilecht mit gegelten Haaren und stylishen Knickerbockern mit passenden Hosenträgern und blasiertem Gesichtsausdruck.

Edin Hasanovic als Gigolo Fritz.

Diese Authentizität war Audible und der Kreativagentur Kolle Rebbe wichtig: Die Liebe, mit der Autorin Anna Basener das Skript für „Die juten Sitten“ erstellte und die Begeisterung der Sprecher sollen sichtbar werden. Davon zeugt auch der Film-Clip, der sich zurzeit noch in Nachbearbeitung befindet: 360°-Bewegtbild, aufgenommen aus 100 Miniatur-Lochkameras, die in einem Kreis um die Sprecher angebracht wurden – nicht größer als eine Stecknadel waren die Öffnungen, durch die der Film belichtet wurde.

Foto mit Lochkamera.

Der Künstler Andreas Neumann hat diese Technik erschaffen, die es möglich macht, aus analogen, statischen Aufnahmen mit nur einer Auslösung eine 360°-Video-Momentaufnahme zu kombinieren. Für die Sprecher war es eine Herausforderung, die sie gerne auf sich nahmen. Etwa 30 Minuten dauerte eine Aufnahme. Das bedeutete für die Akteure minutenlanges Verharren in einer abgesprochenen Pose im dunklen Raum, weil der Film bei kompletter Dunkelheit eingelegt und entnommen werden musste. Das Besondere daran war, dass die Aufnahme nicht wiederholt werden konnte – ein Take musste genügen.

Das Ergebnis begeistert auch die Schauspieler. Jeanette Hain bringt es auf den Punkt: „Es ist unendlich traurig, aber so traurig, dass man auch immer wieder die Hoffnung durchblitzen sieht in Momenten, die so dunkel sind wie gerade eben in diesem unglaublichen 360°-Foto, wo du mitten in der Nacht stehst und trotzdem spürst du auch immer wieder die Sterne oben am Firmament.“

Mehr über die 1920er Jahre erfahrt ihr hier und „Die juten Sitten“ stellen wir euch hier vor.